Warum wähle ich? Eigentlich keine schwere Frage – weil ich mitbestimmen will! In letzter Zeit denke ich allerdings viel darüber nach, wie weit meine Mitbestimmung eigentlich geht. Nur, weil ich an einer bestimmten Stelle mein Kreuzchen mache, heißt das ja noch lange nicht, dass jede/r Politiker/in das macht, was ich will. Aber ist das überhaupt das Ziel?
Der einen Frage folgen bei mir viele weitere Fragen: Mitbestimmung. Was heißt das für mich? Ich gehe zur Urne und wähle meine/n „Vertreter/in“ im Bundestag. Ich zeige mit meiner Wahl, welche Werte und Themen mir am Herzen liegen. Ich will in einem Land leben, von dem ich sagen kann, dass ich es mitgestalte – das ist Demokratie. Wer nicht wählt, verschenkt seine Stimme. Und damit auch die Möglichkeit, die Bedingungen seines Lebensraumes mitzugestalten.

Natürlich ist nicht immer alles so Heile-Welt-mäßig und schön, wie es sich in der Theorie anhört. Natürlich kann ich sagen, ich gehe wählen, um zu gestalten. Natürlich will ich durch die Wahl eine bestimmte Richtung vorgeben. Und dann? Dann landen wir in der Realität und merken, dass „die da oben“ in Wirklichkeit doch nicht das machen, was wir uns so gewünscht haben, als wir das Kreuzchen setzten. Und deshalb hört Wählen für mich nicht an der Urne auf. Ich habe immer die Wahl, das ganze Jahr lang, vier Jahre lang. Wenn mir Entscheidungen nicht gefallen, dann kann ich in meinem Blog darüber schreiben, ich kann mit anderen auf die Straße gehen und demonstrieren, ich kann Briefe schreiben und Unterschriftenaktionen starten. Die Wahl an der Urne ist nur das i-Tüpfelchen für mich als Möglichkeit der Partizipation an einer Demokratie.

Es ist wichtig, dass nicht nur ich wählen gehe, sondern viele – am besten alle. Wenn nämlich nur ein kleiner Teil wählt, dann ist am Ende im Bundestag auch nur ein kleiner Teil vieler verschiedener Meinungen abgebildet. Und auch wenn ich selbst das natürlich toll finden würde, wenn alle PolitikerInnen nur noch nach meiner Nase tanzen, ist es für eine Demokratie unumgänglich, dass viele Wünsche und Meinungen zusammenkommen. Klar ist auch, dass es nicht die eine super passende Partei für mich gibt, die alles genauso sieht wie ich. Dafür gefällt mir aber ein Großteil der Grundsätze einer Partei wesentlich besser als bei den anderen. Sollte die Partei die nächsten Jahre dann doch nicht die Vorhaben umsetzen, auf die ich gesetzt habe, dann kann ich ihr bei der nächsten Wahl meine Stimme entziehen. Oder selbst eine Partei gründen.

Ich gehe also wählen, weil meine Stimme wichtig ist. Sie zeigt den RepräsentantInnen der Demokratie, wie ich leben möchte. Sie bestimmt. Ich gehe wählen, weil alle Stimmen wichtig sind.