In der Industrie kommt es bei einer Neuanschaffung häufig auf jeden Cent an, deshalb steht im Vordergrund, was eine Maschine kann und was sie kostet. Design spielt keine Rolle und darf vor allem nichts kosten – oder vielleicht doch? 

Für uns ist das Design eines Produktes enorm wichtig. Wollen wir uns zum Beispiel ein neues Auto kaufen, zählen nicht nur die reinen Fakten. Selbst wenn auf dem Papier kein Unterschied zwischen Auto A und Auto B fest-zu-stellen ist, kann es sein, dass Auto A viel häufiger gekauft wird, einfach weil es optisch mehr her macht.

Natürlich gibt es auch in der Welt der Indus-trie starke Konkurrenz zwischen einzelnen Firmen mit ähnlichen Produkten. Aufgrund der zum Teil sehr hohen Investitionssummen, müssen einzelne Kauffaktoren noch stärker abgewogen werden. Qualität, Funktionalität und Preis sind ausschlaggebend.

Design lenkt Aufmerksamkeit

„Das Design kann bestimmt kaufentscheidend sein, es bietet den Herstellern natürlich eine Möglichkeit dem Endkunden zu kommunizieren, wie viel technisches Know-how sie in ihre Produkte investiert haben“, so Melissa Langer, Projektleiterin bei Dominic Schindler Creations. In diesem Fall meint die Mitarbeiterin des Kreativbüros Design im Sinne von Aussehen. Ein gutes Design, das die Funktionen der Maschine unterstreicht und modern wirkt, kann gerade auf einer Messe wie der EMO die Aufmerksamkeit der potentiellen Kunden auf das eigene Produkt lenken. Vicky Yeh, Vertreterin des taiwanesischen Designbüros Otsuka unterstreicht ebenfalls, dass sich viele Produkte auf technischer Ebene kaum unterscheiden würden, ein eigenständiges Äußeres den Firmen aber helfen würde, sich von ihren Mitbewerbern abzusetzen.

„Man muss das Design auch monetär bewerten. Wenn ich in einer Blecheinhausung eine schöne Rundung habe, dann wird es automatisch teurer“, so Christian Neumann, Produktmanager der Werkzeugfirma Kern. Er erklärt weiter, dass in der Branche ein Maschinenkäufer die Kosten für das einzelne Werkstück im Auge behalten müsse. Die Mehrkosten für das Design wirken sich direkt auf den Stückpreis aus. Das kann dazu führen, dass die Konkurrenz das gleiche Produkt ein paar Cent billiger anbieten kann.

Design spart Geld

Doch gutes Design muss nicht teuer sein, manchmal ergibt sich alleine durch die Funktion ein ansprechendes Äußeres. Bei vielen Maschinen ist die Verkleidung unabhängig vom Inneren schnell anpassbar, was die Kosten fürs Design überschaubar macht. Es kann sogar sein, dass durch eine kluge Gestaltung Geld gespart werden kann. Ein effizienteres Design mit weniger Materialeinsatz senkt zum Beispiel die Herstellungskosten.

Menschenleben gefährden

„Gutes Produktdesign soll nicht nur hübsch sein, es soll auch ergonomisch sein, für den Anwender leicht zu bedienen und es soll in der Wartung und im Service Verbesserungen mit sich bringen“, erklärt Melissa Langer. Wenn im Entwicklungsprozess früh auf die Arbeitsabläufe geachtet wird, können diese eventuell verbessert werden. Das kann auf lange Sicht Arbeitszeit und somit Kosten sparen. Im Umkehrschluss kann sich schlechtes oder nicht durchdachtes Design natürlich auch negativ auswirken: fehlerhafte Bedienlogik, Schalter an Stellen wo sie niemand sucht oder gar erreicht. Was bei Unterhaltungselektronik ärgerlich ist, kann in der Industrie die Produktion verlangsamen oder gar Menschenleben gefährden.

Umbruch in der Branche

Dass über das Design einer Drehbank oder einer Fräse überhaupt diskutiert wird, ist eine recht junge Entwicklung. Laut Bernhard Zottmann, dem Verkaufsleiter der Werkzeugfirma Och, ist die Branche im Umbruch. Mehr und mehr junge Leute würden in den Maschinenbau ziehen und dort das Ruder übernehmen. Melissa Langer unterstützt diese Aussage, noch vor zehn Jahren sei das Design im Investitionsgüterbereich als unbedeutend empfunden worden. „Man kann sagen, wenn es vor zehn Jahren noch 20 Prozent waren, die sich für Design interessiert haben, sind es heute wahrscheinlich 80 Prozent.“

Die nächste EMO findet übrigens 2015 in der Mode- und Design-Metropole Mailand statt.