Dafür müsste dann im nächsten Schritt der Untergrund hinreichend untersucht werden. Denn über unseren „Untergrund“ wissen Experten bislang noch zu wenig. „Das ist richtig teuer, einige Milliarden“, so schätzt Ralph Watzel, Leiter des Landesamtes für Geologie in Freiburg. Alleine in Gorleben wurden bislang 1,5 Milliarden Euro investiert.

Politische Auseinandersetzung

Der Grünen Ministerpräsident Kretschmann hat sich dafür vor kurzem dafür ausgesprochen, für die Suche nach einem ein nationales Suchverfahren durchzuführen. Die Regierung will bislang zunächst den Standort Gorleben zu Ende erkunden und somit dessen Eignung abschließend beurteilen. Hierbei handelt es sich also um eine rein politische Frage.

Zur Sachlage

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), hat in der Vergangenheit Gesteine in Deutschland untersucht . Die BGR hat dabei unter anderem in Baden-Württemberg Tonsteinvorkommen (Opalinuston-Formation) als untersuchungswürdig eingestuft und deren Verbreitungsgebiete abgegrenzt.

 

Zur Frage der Eignung von Gesteinen als sog. Wirtsgesteine

Der von der BGR als untersuchungswürdig eingestufte Flächenanteil von Baden-Württemberg beträgt schätzungsweise rund 10 % der Landesfläche. Daher ist davon auszugehen, dass die meisten (Flächen-)Teile von Baden-Württemberg ungeeignet für ein atomares Endlager sind. Die geowissenschaftliche Frage ist aber nicht, wie groß der als nicht untersuchungswürdig eingestufte Flächenanteil ist. Die geowissenschaftliche Frage ist, ob die als untersuchungswürdig eingestuften verbleibenden Flächen u.a. hinsichtlich geowissenschaftlich-sicherheitstechnischer Kriterien und des Flächenbedarfs für ein Lager geeignet sind. Auf der vorliegenden geowissenschaftlichen Grundlage sind also die als untersuchungswürdig eingestuften Gebiete in Baden-Württemberg nicht von vorneherein ausgeschlossen, sondern in gleicher Weise Gegenstand eines Such- oder Auswahlverfahrens wie alle anderen als untersuchungswürdig eingestuften Gebiete in Deutschland auch. Baden-Württemberg wäre nicht aus einem möglichen Such- oder Auswahlverfahren entlassen, bloß weil der für ein Verfahren in Frage kommende Anteil an der Landesfläche gering ist. In der Tat fordern Experten auf Bundesebene, dass u.a. die Frage der geowissenschaftlichen Eignung von Gebieten in einem bundesweiten Such- oder Auswahlverfahren, beantwortet wird.

 

Interviewfragen an Ralph Watzel

 

Prof. Ralph Watzel

Prof. Ralph Watzel

Welche geologischen Kriterien muss ein Endlager für Atommüll erfüllen?

Bislang liegen noch keine abschließenden wissenschaftlichen Kriterien für die sichere Endlagerung in Deutschland vor. Mit dem Bericht  des Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AKEnd) vom Dezember 2002, den von der Bundesregierung im Jahr 2010 veröffentlichten „Sicherheitsanforderungen an ein Endlager für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle“ und dem „Sachplan geologische Tiefenlager“ der Schweiz liegen Ansätze für die Aufstellung eines geeigneten Kriterienkatalogs vor.

Der Bund als Zuständiger für die Endlagersuche ist aufgefordert, umgehend die zur Verfügung stehenden Erkenntnisse auszuwerten und Kriterien für die Eignung eines Endlagers festzulegen sowie ein Suchverfahren zu erarbeiten und diese ggf. durch einen politischen Beschluss in Bundestag und Bundesrat in einem gesellschaftlichen Konsens verbindlich zu verankern. Ich gehe davon aus, dass die Landesregierung jede Initiative des Bundes für eine bundesweite, ergebnisoffene Suche nach einem Endlager für wärmeentwickelnde Abfälle unterstützen wird.

Gibt es in Baden-Württemberg Gebiete die dafür in Frage kommen?

Der Bund (siehe oben InternetLink) hat in Norddeutschland und auch in BW Gebiete als untersuchungswürdig eingestuft. Eine Eignungsüberprüfung ist bisher nicht erfolgt. Hierzu bedarf es verbindlicher Prüf- oder Auswahlkriterien und in erheblichem Maß geowissenschaftliche Untersuchungen.

 

 

Blick in die Schweiz

Auch in der Schweiz ist man auf der Suche nach einem geeigneten Endlager. Weil abzusehen ist, dass grenznahe Regionen hierfür in Frage kommen gibt es eine Arbeitsgruppe auf Bundesebene. Diese begleitet die Suche der Schweizer.