Gregor Gysi im Parlament. Foto: Manos Radisoglou, jugendfotos.de

 

Herr Gysi, bislang konnte Ihre Partei von der Wirtschaftskrise noch nicht wirklich profitieren. Woran glauben Sie liegt das?

„Es existieren abstrakte Ängste. Daher wendet man sich auch an die, die grade regieren. Für viele sind wir noch ein Experiment. Und die Krise ist auch noch nicht bei allen angekommen. Die Ausfälle der Exportwirtschaft werden noch zunehmen. Wir werden erst 2010 eine Arbeitslosigkeit in anderem Ausmaß bekommen. Ab Herbst  2009 wird eine tiefe Verunsicherung kommen.“

Und dann kommt Ihre Chance?

„Wenn wir die Wahl nicht gewinnen,  würden die anderen neoliberal durchregieren.“

Und wenn Sie die Wahl gewinnen?

„Wir haben verschiedene Ansätze: Zunächst brauchen wir eine Regulierung des Finanzmarktes. Weltweit, in Europa und in Deutschland. Es hätte schon viele Gesetzte beschlossen werden können. Etwa ein Verbot der Hedgefonds oder ein Verbot der Zweckgesellschaften der Banken. Man muss den ganzen Finanzmarkt regulieren und dafür sorgen, dass die Finanzinstitute wieder der Realwirtschaft dienen und nicht, dass die  Realwirtschaft machen muss, was die Banken wollen.“

Und die weiteren Ansätze?

„Wir brauchen eine Verstaatlichung der Privatbanken. Und zwar deshalb, weil die Bundesrepublik nicht in Insolvenz geht. Sie kriegt daher billiger Kredite und kann diese schneller und billiger an die Bürger und die Wirtschaft vergeben. Man kann meinetwegen auch über eine Reprivatisierung nachdenken. Aber erst dann, wenn sämtliche Steuergelder die dort hineingeflossen sind, mit den üblichen Zinsen auch wieder zurückgeflossen sind. Wenn man das alles machte, bekäme man die Finanzwirtschaft in den Griff.“

Den Kapitalismus zu überwinden ist ihr großes Ziel. Wie soll das gelingen?

„Schritt für Schritt. Wenn wir beispielsweise in vielen Unternehmen Belegschaftsmiteigentum hätten, hätten wir schon andere Interessenstrukturen. Wenn wir diese neue Eigentumsstruktur haben, etwa dadurch, dass wir Genossenschaften fördern, wenn wir der Bildung und der Kultur einen anderen Stellenwert geben.  Man darf nur nicht den Fehler machen und dabei an die DDR denken. Es geht um einen demokratischen Sozialismus bei dem wirklich die Rechte und die Freiheit des Einzelnen Bedingung der Rechte und Freiheit aller ist.

Wie wollen Sie Unternehmen dazu zwingen Mitarbeiter zu beteiligen?

„Im Moment ist der Zwang ein umgekehrter. Die Mitarbeiter erarbeiten alles aber es gehört ihnen nichts.“

Sie bekommen dafür Geld…

„Ein bisschen Geld. Aber nicht entsprechende Leistungen. Was glauben sie denn, was so ein Schiff Wert ist, dass die Arbeiter herstellen. Aber das ist nicht die Frage. Wir müssen die Situationen nutzen, wenn staatliches Geld fließt, wie damals bei Nokia.“

Wenn man sie so reden hört, und wenn Rosa-Luxemburg noch leben würde: wären Sie dann ein Paar, das Traumpaar der Linken?

„Ich glaube sie hätte sich nicht in mich verliebt.“