Ulrich Wickert. Foto: privat.


 

Herr Wickert, es ist grade ein neues Buch von ihnen erschienen.

 

Mein vierter Kriminalroman. Er heißt „Das achte Paradies“. Es ist wieder ein Fall für Jacques Ricou. Jacques Ricou ist die Hauptfigur in allen meinen Kriminalromanen. Ein Untersuchungsrichter aus Paris.

Worum geht es in dem Roman?

In dem neuen Band geht es vordergründig darum, dass ein Model verschwindet. Hintergründig geht es um die Geschichte von Jacques Ricou und seiner Freundin, die Journalistin Margaux, die immer näher an eine Gruppe der georgischen Mafia herankommen. Diese ist stark im Bereich der Internetkriminalität aktiv. Aber dahinter versteckt sich auch noch ein unglaubliches Familiendrama.

Eine spannende Geschichte, aber eben eine fiktive Geschichte. Wie ist es für die als ehemaligen Nachrichtenmann jetzt schriftstellerisch tätig zu sein?

Wir Journalisten begegnen in der Wirklichkeit den unglaublichsten Geschichten. Und als ich angefangen habe Kriminalromane zu schreiben habe ich mir überlegt wie ich vorgehe. Schreibe ich nur noch völlig fantastische Geschichten, wo es nur noch thrillerartig darum geht, den Mörder zu finden.

Das entspricht aber zu wenig dem, was ich als Wirklichkeit empfinde. Ich habe versucht so nah wie möglich an der Wirklichkeit zu bleiben. Und wenn wir uns umschauen stellen wir fest, dass es in der Wirtschaft, in den Finanzen und auch in der Politik eine unglaubliche kriminelle Energie gibt.

Also eine intensive Recherchearbeit die dem Schreibprozess voraus geht?

 

Ja, ich habe mich sehr amüsiert als ich gehört habe, wie der Präsident des Bundeskriminalamts sagte, dass das Phishing immer mehr zunimmt. Da habe ich gesagt, na wunderbar, das findet bei mir in den Kriminalromanenauch statt.

Wenn wir uns Journalismus heute anschaut  kann man den Eindruck bekommen, dass Recherche immer unwichtiger wird und das dafür weniger Zeit bleibt. Teilen Sie diesen Eindruck?

Grundsätzlich würde ich sagen das im Deutschen Journalismus noch viel recherchiert wird. Und es werden viele Dinge aufgedeckt. Insofern teile ich diesen Eindruck nicht. Es gibt das Problem, dass im Journalismus immer mehr an Personal gespart wird. Und deswegen müssen manche Journalisten sehr viel schneller produzieren, insbesondere im Fernsehen, so dass sie dann nicht mehr die Zeit haben die sie haben müssten.

Seit einiger Zeit gibt es das Internet als neuen Kanal, insbesondere auch als schnelles Medium. Welche Art von Journalismus hat ihrer Meinung nach eine Zukunft im Netz?

Der seriöse Journalismus hat sicherlich eine Zukunft im Netz. Das sehen wir beim Erfolg von tagesschau.de oder spiegel online. Wir erleben es auch in Amerika, dass seriöser Journalismus, beispielsweise von der New York Times, inzwischen als Bezahljournalismus verkauft wird.

Als würden Sie sagen das Paid-Content Potential hat?

Die Leute sind es gewohnt gewesen das sie im Internet alles kostenlos bekommen. Meines Erachtens ist es richtig, dass man das Internet als Transportmittel sieht. Wie zum Beispiel bei E-Books. Aber ich bekomme das Buch auch nicht kostenlos, sondern ich muss das selbe bezahlen was ich im Buchladen zahlen muss. Das interessante ist, dass dadurch die Gewinnspanne für den Verlag sehr viel größer wird, weil die Druckkosten nicht mehr anfallen.

Auf der anderen Seite erleben wir das die Öffentlich-Rechtliche Sender als große Inhaltsanbieter im Netz Inhalte löschen müssen. Einige der Inhalte von tagesschau.de sind auf der Seite depub.org wieder aufgetaucht. Wie bewerten sie diese Entwicklung?

Als Internetnutzer möchte ich in der Mediathek von ARD und ZDF alles sehen was die haben. In sofern finde ich es wahnsinnig schade wenn man sagt, das muss gelöscht werden. ARD und ZDF haben solch eine Schatzkammer an fantastischen Produktionen das ich sage: Schade, wenn man die nicht mehr anschauen kann.

Haben sie dann eine gewisse Sympathie damit wen vom Netz genommen Inhalte jetzt auf einer anderen Seite wieder abrufbar gemacht werden?

Das ist eine Rechtefrage. Ich bin der Meinung, das die Rechte gewahrt werden müssen.

Sie halten Vorträge rund um Werte und Wertewandel. Wo liegt da ihrer Meinung nach das größte Defizit?

Es ist nicht so, dass man sagen würde, heute ist etwas in einem sehr viel schlechteren Zustand als es früher war. Jede Zeit produziert ihre eignen Probleme. Da ist die Frage, in wie weit es in einer Gesellschaft einen Sinn für das Gemeinwohl gibt. Oder ob viele „Mein Wohl“ vorziehen. Da ist es wichtig, das wir erkennen, das jeder als Individuum für sich verantwortlich ist. Aber auch für den Zustand der Gesellschaft. Daran muss man erinnern.

Wie nehmen sie die heutige Jugend wahr?

Ich habe den Eindruck, dass die Jugend sehr idealistisch ist. Auf jeden Fall halte ich die Jugend nicht für schlecht.