Herr De Gucht, welcheVerantwortung haben wir, wenn Firmen aus der EU in anderen Ländern Rohstoffe abbauen?

Ich glaube, dass wir eine gemeinsame soziale Verantwortung tragen. Als ich noch Außenminister in Belgien war, war ich mehrmals in Katanga im Ostkongo.Unsere Verantwortung liegt darin, unser Mögliches zu tun, um Firmen davon abzuhalten, von Minen Rohstoffe zu kaufen, durch die sich Rebellengruppen finanzieren.

Was kann ihrer Ansicht nach die EU dagegen tun?

Wir müssen alles daran setzen, Transparenz in diese Handelswege zu bekommen. Andererseits sollten wir nicht den gleichen Ansatz wählen wie die Vereinigten Staaten. Wenn die USA ihre Sanktionen weiter ausweiten, könnte das zur Folge haben, dass diese Länder gar keine Rohstoffe mehr exportieren und die Menschen dort verhungern. Also müssen wir die richtige Balance finden, um das Problem zu bekämpfen, aber wir müssen auch sicherstellen, dass die Arbeit in den Minen weitergeht durch verantwortungsvolles Handeln.

Was trägt die EU zu einem gerechten Wirtschaften bei?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Handel in seiner Gesamtheit durchaus nachhaltig ist. Es gibt kein Beispiel in der menschlichen Geschichte, in dem sich die Wirtschaft eines Landes ohne Außenhandel entwickelt hat. Handel ist fr unsere Entwicklungspolitik wichtig.Deshalb geben wir etwa Least Developed Countries freien Zugang zum EU-Markt, ohne Zölle und Quoten. Durch den Export kann sich deren Wirtschaft weiterentwickeln.

Ist also Entwicklungszusammenarbeit die einzige Möglichkeit, die die EU hat?

Hier geht es um politische Maßnahmen. Wie kann man also diese ganzen Prozesse so gestalten, dass letztendlich beide Seiten davon profitieren, nämlich das Land, welches Rohstoffe anbietet, und das Land, welches diese tatsächlich ausbeutet und verarbeitet. Dieser Prozess muss verhindert werden. Die Europäische Kommission arbeitet zur Zeit an einer Gesetzesinitiative, damit Rohstoff in Zukunft transparenter und damit verantwortlicher abgebaut werden.