Etwa zehn Prozent der Einwohner in Neckartenzlingen sind Griechen. „In Spitzenzeiten hatten wir über 1000 Griechen bei uns“, so Krüger. Damit dürfte die Gemeinde in dieser Größenordnung wohl in Deutschland den höchsten Anteil an griechischen Einwohnern haben. Die ersten von ihnen kamen damals als Gastarbeiter, zwei große Firmen in der Neckar-Gemeinde boten viele Arbeitsplätze. Krüger ist seit zehn Jahren Bürgermeister, zwei Griechen seien im Gemeinderat, erzählt er stolz. Unter den Migranten in seiner Stadt sei die Stimmung bedrückt, aber teilweise auch freudig, da jetzt endlich der griechische Staat durchgreife, berichtet er.

Krüger, der sich selbst in seiner Rolle als Vermittler zwischen den verschiedenen Interessen in seiner Gemeinde sieht, war erst vor kurzem einer der Mitgründer eines deutsch-griechischen Vereins. Ursprünglich wollte der Bürgermeister eine Städtepartnerschaft mit Griechenland ins Leben rufen. Doch es sei recht schnell klar gewesen, dass dies für Neckartenzlingen nicht finanzierbar sei. So entstand der Gedanke, über einen Verein den Austausch zwischen Schwaben und einer Anlaufstelle in Zentralmakedonien zu institutionalisieren.

Herbert Krüger, eigentlich am Neckar zu Hause.

Herbert Krüger, eigentlich am Neckar zu Hause.

So entstand der „Deutsch Griechische Förderverein für Kultur und Begegnung“. Er habe oft gezweifelt, ob das alles so funktionieren werde, räumt er ein. Doch mittlerweile ist der gemeinnützige Verein gegründet, und prompt folgte auch die Einladung nach Thessaloniki zur deutsch griechischen Versammlung. Mit seinem Partiegenossen Hermann-Josef Pilgrim, Oberbürgermeister von Schwäbisch-Hall, leisten sie eine Art „Amtshilfe“ für griechische Kollegen. Diese seine schon verzweifelt und beklagen die hohe Arbeitslosigkeit, so Pilgrim.

Die Griechen seien gut ausgebildet, hätten aber Strukturen, die vieles erschweren, so Herbert Krüger. Durch das große Potential an Griechen in Deutschland, die auch fest in ihrer Heimat verwurzelt sind, könne man aber einen Wissenstransfer durchführen. „Die Griechen haben schon von dem Dilemma gewusst, aber das es so schlimm ist, das haben Sie nicht gewusst“, so der Bürgermeister.

Das nächste Treffen in einem Jahr in Thessaloniki wird Bürgermeister Herbert Krüger mit vorbereiten. Bis dahin soll es konkrete Ergebnisse geben. Es gibt also viel zu tun für ihn und seine Kollegen. Die Brücke vom Neckar nach Zentralmakedonien ist bereits gebaut.