Die SPD liebt Ihren „Münte“, und Franz Müntefering liebt die SPD. Das er den Parteivorsitz abgibt, daran konnten sich beide Seiten in den letzten Tagen schon gewöhnen. Und doch fällt der Abschied schwer. Gerhard Schröder lobt die Aufrichtigkeit und Solidarität des scheidenden Parteivorsitzenden, die Delegierten klatschen Minutenlang. Franz Müntefering ist bewegt und man sieht ihm an, dass es ihm fast ein wenig peinlich ist, aber er habe sich „nicht ans Amt geklammert“. Und er gibt sich versöhnlich. In Richtung Andrea Nahles sagt er: „wo Reibung erzeugt wird entsteht nicht nur Hitze, sondern auch Fortschritt“. Ein typischer Franz Müntefering Satz. Dafür „reicht Volksschule Sauerland“, wie er selbst sagt, und dafür liebt ihn seine Partei.

Der Sauerländer, der das Amt an der SPD spitze einmal als „das schönste neben dem Papst“ bezeichnet hat, ist der Liebling an der Partei Basis. Seine kurzen Sätze, sein „Glück auf!“ kommen an, denn sie decken den Wunsch nach Überschaubarkeit.

Die Genossen lauschen seinen einfachen Worten. Im Wahlkampf verteilte er Balsam auf den angeschlagenen Seelen der Sozialdemokraten. Franz Müntefering, der heilige Franz der Mehrzweckhallen, ist ein Arbeitstier. Nach einem Wahlkampfauftritt hielt die Partei für einen Augenblick die Luft an: Franz Müntefering war zusammen gebrochen. Sein Arbeitspensum gilt als legendär, Präsidiumsmitglieder nennen es „mörderisch“. Tut es ihm gut, dass er jetzt nicht wieder kandidiert? Neue, schwere Aufgaben liegen vor Müntefering. Seine Rolle des „Wogenglätter“ der Partei muss er dabei nicht ganz abgeben. In den Koalitionsverhandlungen ist er einer der engsten Ansprechpartner von Angela Merkel. Beide schreiben sich regelmäßig SMS-Nachrichten.

Das Müntefering, der 1940 im sauerländischen Neheim-Hüsten geborene Industriekaufmann, einmal an der Spitze der SPD stehen würde, konnte niemand ahnen. Keine Machtkämpfe um seine Ämter, unspektakulär nahm er die einzelnen Stufen der Parteikarriere. Typisch Franz, untypisch SPD.

Franz Müntefering. Foto: Maximilian Mühlens, jugendfotos.de

Franz Müntefering. Foto: Maximilian Mühlens, jugendfotos.de

Franz Müntefering wirkt ausgeglichen, wenn er einen Zigarillo raucht fast ruhig und nachdenklich. Dazu passt auch das Bild des passionierten Mühlespielers, der bedächtig jeden Zug plant. Franz Müntefering, der Stratege. Nur im April wurde es einmal laut um ihn: als er Hedgefonds mit Heuschreckenschwärmen verglich, setzte er eine Kapitalismusdebatte in Gang. Vieles wurde Müntefering verziehen, doch sein Führungsstil in der Koalition ist umstritten. Von ihm stammt die Idee, Abweichler mit schlechten Listenplätzen abzustrafen. Seine Entscheidung, Kajo Wasserhövel als Generalsekretär zu installieren missfiel vielen in der Partei. Eine Entscheidung, die den anderen Franz zeigt, den Machtstrategen, den eine Fehleinschätzung das Amt kostete. Er hatte kurz das Gefühl für die Partei verloren. Er unterschätzte die Sehnsucht der Partei nach Freiheit. Er ist der Freund aller, doch niemand kennt ihn richtig.

Mit Müntefering geht ein Stück „Seele der Partei“ verloren –doch für ihn geht es im neuem Amt weiter. Als Arbeitsminister kann er seine Arbeitswut austoben. Notfalls bis zum umfallen. „Glück auf!“

Müntefering: „Mir geht es gut“