In Kassel geboren wollte er dort eigentlich an der Kunsthochschule studieren. Doch die lehnte ihn drei mal ab. Bis er das Prinzip verstanden hatte. „Es liegt nicht daran, was man einreicht, sondern das man ein Passepartout drum hat.“ Er packte einen kleinen Rahmen um seine Werke, bekam einen Studienplatz und studierte Kunstpädagogik. Es war die Zeit nach dem Jahr 1968, Baumann lebte in einer Wohngemeinschaft, arbeitete in einem linken Buchladen und engagierte sich in Hochschulgremien – ein typisches linkes Studentenleben.

Keine Lust auf Kunstpädagogik mit Kindern

Im Jahr 1976 war er fertig. Doch dann kam die Erkenntnis: „Ich habe gemerkt, dass ich mit Kindern eigentlich nichts am Hut habe.“ Daher studierte er noch mal, dieses mal Kunstwissenschaften, gleich im Anschluss promoviert er über die Darstellungsfunktion von Bildern. Und er hat ein klareres Ziel: Eine wissenschaftliche Karriere, eine Professur für Ästhetik schwebte ihm vor. Doch da gab es in seiner Vita noch das Berufsverbotsverfahren. Das wurde zwar später eingestellt, aber: „Ich hatte keinen Bock mehr auf Mobbing und Vetternwirtschaft an der Hochschule.“

Doc Baumann. Foto: Jonas Fischer.

Doc Baumann. Foto: Jonas Fischer.

Der gebürtige Hesse blieb seiner Heimat treu, zog aber aufs Land. Dort hatte ein Freund ein Fachwerkhaus gekauft. Baumann half beim Renovieren. Er war fasziniert von den Motorrädern, die sein Freund umbaute. Besonders angetan hatten es ihm die bemalten Tanks – aus kunstwissenschaftlichem Interesse. Ihn interessierte die Ikonographie der Motive. „Aber mit meinem kunstwissenschaftlichen Wissen kam ich nicht weiter.“ Denn die Leute die sich die Tanks bemalen ließen, hatten gar nicht den kulturellen Hintergrund. Für Baumann waren die Tanks der Einstieg in die Bikerszene. Er wurde Chefredakteur des Magazins „Bikernews“. Und er blieb dies zwanzig Jahre lang. Der Anfang bei den Motorradfahrern war nicht leicht: „Da ich gerade von der Uni kam und mich auch so ausdrückte.“ Allerdings hatte er auch einen Vorteil: „Ich sah damals schon so aus wie heute.“ Hans Baumanns Stil mit langen Haaren, die mittlerweile grau geworden sind, half ihm in der Szene akzeptiert zu werden.

Nach einer Weile war er dort integriert. Bis 1996 war er Chefredakteur des Magazins, bis 2005 noch dessen Herausgeber. „Dann wurde es mir zu viel.“

Beruflicher Wandel: Vom Biker zum Bildbearbeiter

Es war im Jahr 1984 als Baumann bei dem Freund, der auch die Motorräder umbaute, den ersten Mac sah. Davor hatte er nie über Computer nachgedacht. Aber dieser hatte eine Maus zum malen, Dokumente konnten in den Papierkorb geworfen werden, das fand er toll. „Ich habe umgerechnet, was ich auf 20 Jahre spare.“ Und er kaufte sich einen Mac, und ein zweites Diskettenlaufwerk noch dazu. Ein Jahr später lautete das Zauberwort „Desktop-Publishing“ (DTP), das Gestalten von Dokumenten am Computer. Baumann nutzte es für seine Zeitschrift und für ein Buchprojekt. Dabei ging es um ein ganz anderes Thema, die Dreharbeiten des Films „Der Name der Rose“.

Durch Zufall kam er zu den Dreharbeiten, fuhr nach München, fragte Bernd Eichinger der sein Okay gab. Baumann machte sich an die Arbeit, aber das Interview mir Sean Connery dauert sehr lange, daher schlug er dem Verlag vor, das Buch selber zu setzen. So entstand in Deutschland das erste Buch, das vom Autor selbst mit DTP gestaltet wurde. Nach dem Beststeller hatte Baumann ein neues Thema: DTP.

Darüber schrieb er für verschiedene Magazine Artikel. Bis der Anruf einer Redakteurin kam, die fragte, ob er ein neues Grafikprogramm testen wolle. Es hieß Photoshop.

Der erste Gedanke der ihm kam: Mit dem Namen, das kann nichts sein. Am Ende war es aber doch etwas. Baumann spezialisiert sich auf das Thema Gestaltung mit Photoshop. 2001 gründet er seine eigene Zeitschrift, sie hieß „Doc Baumans Magazin für digitale Bildbearbeitung“, aus dem sperrigen Namen wurden die Akademischen Titel der Herausgeber, kurz: „Docma“ für Dr. und Magister.

4.000 Wolkenbilder im eigenen Fotoarchiv

Photoshop hat den Umgang mit Bildern geändert. „Durch Photoshop können viel mehr Leute in Bilder eingreifen.“ Das habe aber auch dazu geführt, dass viele nicht mehr so naiv an ein Bild rangehen. Was für ihn ein gutes Foto ausmacht? Ein Bild habe den Anspruch, die Szene so erlebbar zu machen, wie sie der Fotograf erlebt hat. „Beim Bearbeiten wird das Bild nicht verfälscht, sondern dem angenähert, was der Fotograf gesehen hat.“ Heute lebt Baumann in einem alten Tanzpalast in der hessischen Provinz. Den Tanzsaal braucht er für seine Bücher –  20.000 Stück. Die Zahl der Fotos in seinem Archiv ist noch größer.

Wenn Baumann selbst fotografiert, dann nur Rohmaterial für seine Arbeit. In seiner Bilddatenbank gibt es allein 4.000 Wolkenformationen. Insgesamt hat er 80.000 Bilder in seiner Datenbank. „Irgendwann braucht man es“, weiß er aus Erfahrung.

 

Dieser Artikel erschien in der ersten Printausgabe von Debatare.