Flachbildschirme, Smartphones, Elektroautos – in Sachen Technologie ist Japan dem Rest der Welt oft einen Schritt voraus. In der Politik ticken die Uhren dagegen langsamer: Grauhaarige Herren in schwarzen Anzügen dominieren das nationale Parlament, nur jeder zehnte Sitz gehört momentan einer Frau. Korruption ist ein anhaltendes Problem. Eineinhalb Jahre nach der Atom-Katastrophe in Fukushima fährt die Regierung landesweit zwei stillgelegte Reaktoren wieder hoch.

Das neue Gegengewicht zum politischen Establishment heißt seit diesem Sommer „Midori no To“, eine neugegründete grüne Partei. Ihre rund tausend Mitglieder wollen Japan modernisieren und den alten Männern den Kampf ansagen. Die Co-Vorsitzende Uiko Hasegawa ist nach Deutschland gekommen, um sich mit den deutschen Kollegen auszutauschen. Die zierliche 31-Jährige mit dem braven Gesichtsausdruck nimmt regelmäßig an Sitzblockaden und Menschenketten teil. Ihre Ziele: Atomkraftwerke abschalten, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung erhöhen und den CO2-Ausstoß verringern. Doch auch soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte sind wichtige Anliegen. „Da können wir viel von den Grünen in Deutschland lernen. Besonders wenn es darum geht, unsere Arbeit zu strukturieren“, sagt Hasegawa.

Malte Spitz, zuständig für die internationale Koordination bei den deutschen Grünen, sieht Parallelen zwischen der Situation in Japan und der in Deutschland vor rund 35 Jahren. „Damals haben wir auch versucht, verkrustete Strukturen in Politik und Gesellschaft zu durchbrechen.“

Grüne Politik zu machen ist in Japan nervenaufreibend – und vor allem teuer. Satte eine Million Euro kostet die Zulassung zu den Parlamentswahlen. Eine Hürde, an der kleine Parteien schon oft gescheitert sind. Zur vorgezogenen Parlamentswahl im Dezember werde die neue grüne Partei deshalb noch nicht antreten, sagt Uiko Hasegawa. Wie viele der Mitglieder ist sie erst seit dem Atomunglück in Fukushima politisch aktiv. „Es geht ein Ruck durch unser Land. Deshalb werden wir versuchen, zur Oberhauswahl im nächsten Jahr das nötige Geld für die Wahl aufzutreiben“, so Hasegawa. „Bis dahin gehen wir lautstark auf die Straße, um unseren Forderungen Ausdruck zu verleihen.“

Jede Woche mobilisieren die japanischen Grünen gegen die Politik im Land. Doch nicht nur gegen die Regierung. „Wenn die liberale Oppositionspartei nächstes Jahr an die Macht kommen sollte, dann werden noch mehr Atomkraftwerke gebaut. Das müssen wir verhindern“, sagt Hasegawa. Wie ihre deutschen Kollegen setzt sie jedoch nicht auf Gewalt. Friedlicher Protest, getragen von jungen Müttern und ihren Kindern – damit will sie die Wende einleiten. „Die deutschen Grünen haben es vorgemacht. Das können wir auch.“

Zur Internetseite der japanischen Grünen: http://greens.gr.jp/