Es war in den ersten Wochen nachdem sie ihr Ministeramt losgeworden war. Es war alles abgewickelt: Das Büro geräumt, hinter dem Titel stand jetzt ein „a.D.“, die Übergabe war gemacht. Das normale Leben hatte sie wieder. Und dann passierte es: Die Ministerin a. D. hatte grade getankt. Jetzt saß sie in ihrem Wagen an der Tankstelle – und nichts passierte. Sie war versehentlich hinten eingestiegen. Dass es den Fahrer mittlerweile nicht mehr gab – vergessen.

Diese Begebenheit zeigt: Ein Wechsel aus der aktiven Politik, wieder zurück ins „richtige Leben“, ist nicht einfach. Die Wege von ehemaligen Spitzenpolitikern aus dem Land sind sehr unterschiedlich. Während einige auf einer anderen politischen Ebene weiter machten ging es für andere in Verbände oder in die Wirtschaft. Zurück ins Private ist ebenfalls ein, wenn auch kaum gegangener, Weg.

„Politik ist nicht mein Leben“, sagte der damalige Hessische Ministerpräsident Roland Koch, als er seinen Rückzug aus der Politik bekannt gab. Ein erstaunliches Argument, bei einer Person, deren ganzes bisheriges Leben bislang durch die Politik geprägt ist.

Auch Stefan Mappus ließ wissen, dass er seine Zukunft „nicht primär“ in der Politik sehe.

Ende der Vorstellung. Foto: Kersten A. Riechers/FoMo

Ende der Vorstellung. Foto: Kersten A. Riechers/FoMo

Finanziell interessanter Wechsel in die Wirtschaft

Sein ehemaliger Amtskollege Koch arbeitet mittlerweile für einen Baukonzern. Zumindest finanziell dürfte sich der Wechsel für den ehemaligen Spitzenpolitiker gelohnt haben.Nach dem neuen Vergütungsmodell des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger könnte der er nach Berechnungen von Reuters mit einem Gehalt von rund 2,5 Millionen Euro rechnen. Das ist mehr als das zehnfache von dem, was er noch als Hessischer Regierungschef überwiesen bekam.

Wie viel auf der Gehaltsabrechnung des ehemaligen Baden-Württembergischen Sozialministers Andreas Renner steht, ist dagegen nicht bekannt. Seit Januar 2009  ist er Leiter der Repräsentanzen Berlin und Brüssel der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Man könne auch sagen, Renner ist Lobbyist.

In der Wirtschaft sind ehemalige Landesminister gerne genommen. In der Personalsache Renner lobte der damalige Vorstandsvorsitzende von EnBW, Utz Claasen, den Ex-Politiker als „profilierten Mann.“ Und man sei froh, ihn für diese „außerordentlich wichtige Aufgabe“ gewonnen zu haben. Schließlich habe er sich als Oberbürgermeister von Singen und als Landesminister einen Namen als engagierter und starker Manager erworben.

Politik als Managementschule also? In der Praxis dürften Politiker wohl ehr wegen ihrer Kontakte geschätzt werden. Grade für eine Tätigkeit als Lobbist von großem Wert. „Ich muss den Sachverstand einbringen. Konkret bedeutet das Aufklärung: Gespräche mit den Fraktionsangehörigen, Kontakte zur Kommission, zum Parlament und dem Rat“, erzählte Renner in einem Interview. Wenn der ehemalige Minister zum energiepolitischen Lunch einlädt, dann dürften einige Parlamentarier dieser gerne Folgen. Schließlich kenn man sich ja von früher.

Ein weiter Sozialminister aus Baden-Württemberg war der CDU-Mann Friedhelm Repnik. Heute ist er Geschäftsführer der Staatlichen Lotto Toto GmbH, genau so wie die Rothaus Brauerei ein landeseigener Betrieb. Und auch die Brauerei im Schwarzwald wird von einem ehemaligen CDU-Minister geführt: Thomas Schäuble. Ehemaliges Spitzenpersonal in eigenen Betrieben zu versorgen ist ein beliebtes Modell für ausgedientes Politikpersonal.

Genau so verhält es sich mit dem Wechsel in andere staatliche Institutionen. Nach dem der Finanzminister Gerhard Stratthaus im Jahr 2008 überraschend von damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger ausrangiert worden war, empfahl ihn Oettinger nach Berlin. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied des Leitungsausschusses der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung. Dort hält er sich bis heute.

Dabei fällt der Wechsel keineswegs leicht. Der Ministerialdirektor im Wissenschaftsministerium, Klaus Tappeser, ist ein politischer Beamter. Auch sie müssen in der Regel nach einem Regierungswechsel ihr Amt räumen. Der ehemalige OB aus der Bischofsstadt Rottenburg schien sehr an seinem Amt zu hängen. Daher ließ er über den katholischen Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, beim Ministerpräsidenten Kretschmann anfragen, ob dieser ihn nicht übernehmen wolle. Der mit Kretschmann gut bekannte Fürst fragte zwar, doch lehnte Kretschmann ab. Wenige Tage später unterschieb der ehemalige Ministerialdirektor einen Vertrag bei einem Unternehmen.

Denn Schritt auf die andere politische Ebene gingen aus Baden-Württemberg wenige. Günther Oettinger wurde Energiekommissar bei der EU Kommission, Anette Schavan wurde nach ihrer Zeit als Abgeordnete in Stuttgart erst Bundestagsabgeordnete und später Bundesministerin. Und auch für den Grünen Landtagsabgeordneten Rezzo Schlauch ging es erst als Abgeordneter nach Berlin wo er später Staatssekretär im Wirtschaftsministerium wurde. Auch er ist heute der EnBW beruflich verbunden.

Wer den Lebenslauf von Lothar Späth betrachtet, der hat den Eindruck, nach der Politikerlaufbahn stehen alle Türen offen: In der Wirtschaft, als Berater, Autor, Redner, Moderator. Es gibt ein Leben nach der Politik.