1. Mai in Berlin: Von 89 ist nicht viel geblieben


9.000 Teilnehmer sollen es gewesen sein, darunter auch die RAF-Terroristin Inge Viett, so die Angaben der Polizei. Rund 15.000 schätzen die Veranstalter. Am Kottbusser Tor geht es los, der schwarze Block führt die Demo an.
Es bleibt nicht lange friedlich. „Dann rechts ab, die spitze erreicht die karl-marx-strasse, zur würdigung wird die erste bank zerlegt. zunehmende vermummung, das einkaufscenter bekommt auch einiges ab. leichte hektik kommt auf, eine panne aktion, leute übernehmen verantwortung, es geht geschlossen weiter“, ist in einem Augenzeugenbericht zu lesen. Dieser beschwört den Geist von 89: „steine werden gelöst und aufgenommen. zwei banken, woole, kik und co müssen dran glauben, ein hauch von mai 89 weht durch die strassen.“

Polizisten werden in Sprechchören beschimpft: „Alle Bullen sind Schweine“ und „Ganz Berlin hasst die Politzei“ ist zu hören. Neben diesem gemeinsamen Feindbild geht es bei den Demos nicht mehr so sehr um die Rechte der Arbeiter: „Gegen Gentrifizierung, Vertreibung und Mitpreistreiberei“ lautet das Anliegen der Berliner im Jahr 2011. Für viele ist der 1. Mai ein Happening, ein Event. Gute Unterhaltung im Haupstadtleben, aus Tradition eben.

Über den Autor

Philipp Breu ist im niederbayerischen Passau aufgewachsen und studiert zur Zeit Orientalistik und Geschichte in Wien. Nach mehrjähriger freier Mitarbeit bei der Passauer Neuen Presse im Heimatort, abgeschlossener Berufsausbildung als Bürokaufmann und ehrenamtlicher Arbeit bei der Jungen Presse Bayern folgte ein 3-monatiges Praktikum bei der englischsprachigen Tageszeitung "The Daily Star" im Libanon. Schrieb und fotografierte bereits für Medien wie zenith - Zeitschrift für den Orient, soukmagazine.de, Jüdische Allgemeine & Frankfurter Rundschau

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