Wer kämpft im Wahlkampf?

Finanzminister Willi Stächele

Finanzminister Willi Stächele

So militante Töne irritieren Anhänger und Gegner. Auch wenn Mappus nicht Hausbesetzungen oder ähnliches im Sinn haben dürfte, sondern vielmehr auf einen sehr intensiven Straßenwahlkampf anspielt.

Sein Kabinettskollege, der Finanzminister Willi Stächele ging jüngst bei einer Wahlveranstaltung noch weiter. Den anwesenden Mitgliedern der Jungen Union rief er zu: „Ihr seit meine Talibane, ihr müsst kämpfen.“ Das berichtet die örtliche Südwestpresse, nicht überliefert ist die Reaktion des politischen Nachwuchses.

 

Denn der Vergleich mit terroristischen Kämpfern ist nicht nur sehr fraglich, sondern auch keineswegs besonders schmeichelhaft. Das Finanzministerium versucht diesen verbalen Fehlgriff des Ministers einzufangen: „Das Zitat war keinesfalls wörtlich zu verstehen. Jedem Anwesenden musste dies klar sein“, betont ein Sprecher. „Das benannte Zitat stand im Zusammenhang mit Ausführungen zum leidenschaftlichen ‘Kampf’ gegen die immerwährende Neuverschuldung. Das Zitat war mit ‘dicken’ Ausführungszeichen versehen”, heißt es das weiter.

 

Und während man in Stuttgart um Relativierung bemüht ist kritisieren Grüne und SPD die „Kriegsrhetorik“ und „martialische Sprache“. „Finanzminister Stächele überschreitet jede Grenze, wenn er die Junge Union als Gotteskrieger in den Kampf schickt“, so der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn.

Dabei sind grade im linken politischen Spektrum die Kampfbegriffe durchaus wieder en vogue. Und das hat Tradition. „Schlag zu du junge Garde des Proletariats“ heißt es etwa in dem Lied „Dem Morgenrot entgegen“ von Heinrich Arnulf Eildermann. Vom Klassenkampf zum Wahlkampf ist es bei dieser Landtagswahl wohl nur ein kleiner Schritt. Und vor allem der linke Nachwuchs „kämpft“ für eine „radikale, plurale junge Linke“, so heißt es in einem Antrag der Jugendorganisation Solid. „Und das kann uns nur gelingen, wenn wir in die sozialen Kämpfe in diesem Land eingreifen und Plattform sind für Protest, Selbstorganisation und Solidarität.“ So wollen sie die Übermacht des Kapitals durch “massive gesellschaftliche Kämpfe” abwehren und sieht im “außerparlamentarischen Widerstand” den entscheidenden Faktor für eine “gesellschaftliche Demokratisierung.“ Bei soviel Kampfeswillen ist es nicht verwunderlich das keine Kritik am neuen Stil der CDU kommt. Den Wahlkampf kommt eben von kämpfen. Und wer nicht kämpft, hat ja bekanntlich schon verloren.

Über den Autor

Gregor Landwehr Jahrgang 1983, ist gelernter Bankkaufmann und studierte anschließend Rhetorik, Kunstgeschichte, Politik und Philosophie in Tübingen. Seit 2005 arbeitet er als freier Journalist. Er hospitierte beim Staatsanzeiger in Stuttgart, der Nachrichtenagentur DDP in Berlin und Potsdam, beim NDR in Osnabrück und im ZDF Hauptstadtstudio.

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