Ein Auseinanderklaffen der Gesellschaft, gar eine „Re-Feudalisierung“ beobachtet der Wirtschaftsprofessor Max Otte. Es gebe ein auseinanderdriften der Welteinkommen mit dem Entstehen eines neuen Weltadels, das Bürgertum werde irgendwo zwischen der Sozialstaatsklientel und der herrschenden Schicht zerrieben.

„Um eine Mittelschicht zu erhalten braucht man staatliche Regeln“, so Otte, sonst werde diese durch die großen erdrückt. „Der Staat muss ein Gegengewicht gegen die großen Konzerne bilden.“ Aber dies sei schwierig, denn die Konzerne hätten die Lobbymacht und könnten Gesetze kaufen. Märkte seien hochgradig irrational, „Je weniger wir sie regulieren, desto mehr werden sie schwanken.“

Regulierung als Ursache

Was die Regulierung angeht sieht der Ökonom Joachim Starbatty diese hingegen als eine Ursache für die Finanzkrise. „Wir haben Regeln, um Spekulationen einzudämmen“, so Starbatty. Und man könne sagen, dass Regeln maßgeblich für die Finanzkriese waren, etwa im System der Ratingagenturen. Diese bilden ein Oligopol. „Der eine schaut was der andere macht.“ Die Banken haben die Agenturen gebeten, ein optimales Portfolio zusammenzustellen. Die Ratingagenturen haben die Banken beraten, dann haben die Banken die Agenturen aufgefordert, eine gute Bewertung dafür abzugeben. So bekamen schlechte Papiere eine gute Bewertung.

Es sei falsch zu glauben, dass sich über Regulierung Krisen vermeiden lassen, das genaue Gegenteil sei richtig. Joachim Starbatty kritisiert vor allem die geplante zentrale Regulierung. „Wenn die Regulierung falsch ist, dann ist sie weltweit falsch.“ Wenn wir immer mehr Regulierung haben, wird es immer mehr Crashs geben, so seine Schlussfolgerung. „Wenn Banken nicht mehr haften, müssen sie immer stärker kontrolliert werden.“ Er warnt: „Es wird wahrscheinlich eine Staatsanleihenblase geben.“ Dies sei die gefährlichste aller Blasen. „Dann sind alle Versicherungen und Banken dran.“  Er werde ein erwachen geben. „Die gefährlichsten Spekulanten sitzen zur Zeit in der Politik“, warnt der Wirtschaftswissenschaftler.

Mittelschicht kommt in Bedrängnis

Die aktuelle Niedrigzinspolitik kritisiert auch Max Otte als ein Subventionsprogramm für Spekulanten. Auch die Zinspolitik benachteilige das Bürgertum. Das Kapitaleinkommen geringer besteuert werden als Arbeitseinkommen sei unfair. „Es ist für das Überleben einer bürgerlichen Marktwirtschaft wichtig, dass ein Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt werde.“ Dies könne, so Otte, etwa durch Aufbau von Kompetenz in der Ministerialbürokratie erreicht werden. In den Ministerien müssten wieder Karriereperspektiven geschaffen werden.