Magnus Graf von Schlieffen

Magnus Graf von Schlieffen

Es scheint fast so, als müsse sich Magnus Graf von Schlieffen noch an den neuen Namen seines Arbeitgebers gewöhnen. Denn Merrill Lynch heißt eben nicht mehr nur Merrill Lynch, sondern Bank of America Merrill Lynch. Seine Aufgabe ist jedoch die selbe geblieben. Er ist in Deutschland für das Aktiengeschäft verantwortlich. „Ich berate Investoren in Deutschland mit Ihren Anlage in Aktienprodukte“, so von Schlieffen.

Er sagt es langsam und unaufgeregt. Doch was er sagt, steht im Gegensatz zur Meinung vieler seiner Kollegen. „Ich bin nicht der Meinung das Investmentbanken keine soziale Aufgabe haben“, lautet eine seiner Thesen. Diese Aufgabe bestehe darin, das Geld vernünftig zu investieren. Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs vertritt hingegen die Meinung, dass Banken keine Verpflichtung haben, das Gemeinwohl zu fördern.

Magnus Graf von Schlieffen gibt sich trotz seines zurückhaltenden Tons kämpferisch. „Zertifikate – ein Markt den ich persönlich besonders verurteile“, sagt er dann. Oder: „Wir fahren als Staat das Prinzip Hoffnung.“ Eine Alternative wäre gewesen, die Landesbanken in Deutschland direkt in den Konkurs gehen zu lassen.

Der gebürtige Bielefelder studierte in Hamburg Volkswirtschaftslehre bevor er in das Bankgeschäft eingestiegen ist. Einige Aussagen von anderen Bankern kann er nicht nachvollziehen: „Wie man auf 35 Prozent Eigenkapitalrendite kommen kann ist mir ein Rätsel.“ Eine Inflationsgefahr sieht er hingegen nicht. „Inflation ist ein Luxusproblem“, so der Finanzexperte. Denn vorher bräuchte man ein Wachstum mit Lohnsteigerungen. Die Situation sei „extrem fragil“.

Auch die Bankenaufsicht sollte seiner Meinung nach neu geordnet werden. „Die Bafin ist nichts stark genug.“ Sie sollte daher nach Meinung von Schlieffens direkt der Bundesbank unterstellt werden.

Und was sich für Privatkunden und Bank ändern müsste?  „Die Zukunft liegt in der Honorarberatung“, ist sich von Schlieffen sicher. Dies sei für alle Beteiligten die beste Lösung, denn nur so könnten versteckte Gebühren rausgerechnet werden. Die Entscheidung, dass Beratungsgebühren nicht von der Steuer abgesetzt werden dürfen, sei ein Fehler der Bundesregierung gewesen.