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Die Formatentwickler haben anscheinend die Vorteile von Debatten für eine Fernsehsendung erkannt. Allein die Firma Februar Media setzt zwei Sendungen für die öffentlich rechtlichen Sender um.

Der Sat1-Moderator Claus Strunz bringt es auf den Punkt: „Eins gegen Eins ist ein journalistisches Format, das Sachargumente in den Mittelpunkt stellt.“ Genau das, was man sich etwa bei dem Kanzlerduell gewünscht hätte. Doch das war eben keine Debatte, sondern ein Frage-Antwort-Spiel mit einigen Regeln. Zu einer Debatte fehlte die klare Fragestellung und der strukturierte Ablauf.

Liegt Deutschen Debattieren nicht im Blut?

Philip Baugut analysierte in der Welt sehr treffend: „Die Deutschen schätzen den Konsens, während sie auf politische Polarisierung allergisch reagieren. (…)Dieser Harmoniesucht trägt allen voran die Union in Stil und Programmatik Rechnung. Man mag das für Populismus halten, doch wer die Volksvertreter für mangelnde Streitkultur kritisiert, kann diesen Vorwurf an die Wähler weitergeben.“

Eine Debatte braucht aber genau den Mut, klar Position zu beziehen und dafür argumentieren zu können. Viele Politiker können oder wollen dies bewusst nicht. So schreibt auch Baugut weiter: „Viele Spitzenpolitiker, aber auch Hinterbänkler haben schmerzlich erlebt, welchen Medienhype überpointierte Äußerungen auslösen können.“ Damit sind Politiker als Debattenredner denkbar ungeeignet.

Genau das war auch das Problem der ersten Debattensendung im ZDF. Politikprofis wie Kurt Beck taten der Sendung nicht gut. (Eine ausführliche Kritik der Sendung von Sarah Kempf gibt es hier.)

Bei der zweiten Sendung gelang dies besser, mit Rednern, die entweder Betroffene oder Experten sind. So entstand eine fundierte Debatte, die nur noch einen klareren Ablauf in der Phase mit Publikumsbeteiligung braucht. Denn der Moderator Theo Koll wirkt kompetenter als er moderiert.

Der Versuch, weitere Elemente in die Sendung zu bringen ist gut gemeint, aber eigentlich gar nicht nötig. Denn man wünschte sich als Zuschaue ehr 15 Minuten mehr inhaltliche Debatte als den Blick auf eine „Wortwolke“ (wenig aussagekräftig) oder eine Kurve mit der quantitativen Auswertung der Tweets (ebensfalls nicht sehr erhellend).

Ansonsten hat das ZDF an einigen Stellen nachgebessert. So ist etwa der Ton, der das Ende der Redezeit signalisiert, jetzt nicht mehr ganz so nervig. Aber es bleiben auch Fragen: Waum müssen die Redner am Ende für das Schlussstatement an eine andere Position treten? Und wer soll gleichzeitig einer Rede zuhören können und dem zu schnell am Bildrand durchlaufenden Text folgen? Aber das sind Kleinigkeiten.

Wie eine Quizshow?

In den Kommentaren bei Twitter gab es auch kritische Stimmen, wie etwa diese:

Was hier als Spielshow-Atmosphäre kritisiert wird, ist für Debattanten das Grundsetting für eine gute Debatte, eben in einer Fernsehgerechten Form. Die festen Regeln und Pulte sind existenzieller Bestandteil. Damit ist das ZDF auf einem sehr guten Weg. Und vielleicht entsteht so das Format für eine Kanzler-Debatte für der nächsten Bundestagswahl.