Dies sei insbesondere im Gegensatz zu anderen Agenturen auffällig, so Hoogvliet. Und auch die Journalistin Gabriele Renz vom Südkurier bemängelt die Qualität der Agentur: „Wir müssen ständig Reparaturarbeiten an den Nachrichten leisten.“

Kretschmanns Sprecher will das Amts den Bundesratspräsidenten nutzen: „Wir nutzen es, um ihm mehr Raum auf der Berliner Bühne zu geben.“ Aber er müsse rund 60 Prozent aller Interviewanfragen ablehnen. „Der Konflikt den wir haben ist, alle einigermaßen zu bedienen“, so Hoogvliet. Kretschmann lebe von den regionalen Blättern, deshalb sei es ihm wichtig, diese auch zu bedienen. „Ich kann ihn auch nicht klonen“, so der Regierungssprecher.

Schnelle Seitenwechsel nach dem Regierungswechsel

In Baden-Württemberg wechselten einige Journalisten direkt nach der Wahl auf einen Sprecherposten in einem Ministerium. Vom einem Massenandrang will Gabriele Renz, Mitglied im Vorstand der Landespressekonferenz, aber nicht sprechen. Sie geht davon aus, dass es auch vor dem Regierungswechsel bei den Kollegen eine gewisse „Grundloyalität“ gegenüber dem Politiker, für den sie nun kommunizieren, gegeben haben muss. Dies haben einige Kollegen nach dem Regierungswechsel ausleben wollen. Renz fragt sicher daher: „Wie gefärbt war vorher die Berichterstattung wenn jemand sofort die Seiten wechselt?“

„Journalisten haben sich uns auch angeboten“, berichtet Regierungssprecher Rudi Hoogvliet mit Blick auf die Sprecherposten in den Ministerien.