„Das heißt nicht Nullwachstum, das heißt Stagnation. Also wirklich Klipp und klar sagen, so und so sieht es aus“, so ein Schüler in einer Berufsschule. Besonders schwer zu durchschauen sind für viele Wirtschafts- und Finanzthemen. „Was viele abschreckt, sind so Sachen wie Haushaltsdiskussionen, wirtschaftliche Sachen. Das Problem ist, dass wir nicht die Bildung haben, um die Sachen zu verstehen. Da schmeißt halt jeder Politiker mit seinen eigenen Zahlen rum. Nachprüfen kann man das ja nicht und dann hat man zehn verschiedene Zahlen, von denen alle behaupten, die wäre richtig und dann versteht man die Thematik meistens nicht ganz. Dann hat man natürlich auch nicht das große Interesse, so was zu verfolgen“, so ein Gymnasiast.

Distanz durch unverständliche Sprache

Kommunikationsberater und Redenschreiber sehen vielen Jugendliche als mächtige, aber im Ergebnis schädliche Einflussgrößen. Die 16- bis 19-Jährigen befürchten, dass durch die so entstehende, nur noch auf sich selbst bezogene Sprache der Austausch von Meinungen zwischen den Politiker erschwert wird. Jugendlich lehnen ritualisierte Showkämpfe und inszenierten Streit in Talkshows ab, statt dessen wollen sie eine sachliche Auseinandersetzung. Parteien werden als unattraktiv für ein eigenes Engagement empfunden.

Was muss sich ändern?

Die Studie kommt zur folgenden Empfehlung für Politiker: „Redet so, dass wir euch verstehen, legt das Manuskript beiseite, und sprecht in eurer Alltagsprache, direkt, offen und unkompliziert. Ein Appell an alte rhetorische Tugenden zur Rettung der Debattenkultur.“

Und auch die Medien sind gefordert: „Die Medien, an die man ran kommt, die sagen auch nicht wirklich das, was man wissen will. Sie stellen nicht diese Fragen, die man sich selbst stellt.“, so ein Jugendlicher. Medien, so der Wunsch, sollten nicht die Floskeln von Politikern übernehmen, sondern sie sollten helfen zu verstehen, was dahinter steht.

Der Studienaufbau

Die Studie wurde von einer Gruppe um die Professorin Bettina Fackelmann von der „design akademie berlin“ durchgeführt. Dabei wurde die Sozialwissenschaftliche „Grounded Theory“ angewandt. An  verschiedenen Berliner Schulen wurden 27 Gruppeninterviews durchgeführt. Danach gab es einen Onlinefragebogen, den bundesweit rund 30.000 Jugendliche ausfüllten.

 

Links zum Thema:

Zur Studie „Sprichst du Politik?“

forost-Arbeitspapier: „Die Sprache der Politik – Politik mit Sprache“

Dossier Sprache und Politik von der Bundeszentrale für Politische Bildung