Wer so argumentiert, blickt aber nur auf Dächer und Felder, nicht in die Fabriken. Die Förderung der Photovoltaik durch die weltweit höchste Einspeisevergütung des Erneuerbare Energien Gesetzes hatte nämlich immer zwei Ziele: Klimaschutz und Marktführerschaft.

Das erste Ziel hat Deutschland fast im Alleingang erreicht. Mehr als die Hälfte aller Solaranlagen der Welt stehen in Deutschland, finanziert mit Zahlungsverpflichtungen der deutschen Stromkunden. Die Industrie hat riesige Fortschritte in der Technik, der Produktion und den Kosten gemacht. Bis zur Mitte des Jahrzehnts wird Sonnenstrom aus eigener Ernte in sonnenreichen Gegenden etwa der USA billiger als der Bezug aus dem Stromnetz sein. Spätestens dann wird die Photovoltaik zu einer der wichtigsten Klimaschutzindustrien und Wachstumsbranchen weltweit aufsteigen.

Deshalb ist es so bitter, dass die im letzten Jahrzehnt aufgebaute Marktführerschaft, das war das zweite Ziel, bereits wieder verloren ist und die Politik der Bundesregierung nun den Todesstoß gegen die deutschen Modulhersteller führt. Die Landesbank Baden-Württemberg beschreibt dies in einer soeben erschienenen Analyse schonungslos: „Ostasiatischer Wettbewerb drückt europäische Unternehmen an die Wand: Mit deutlich niedrigeren Produktionskosten gelingt es ostasiatischen Herstellern, massive Marktanteile dazu zu gewinnen. Unterstützt werden sie dabei von der hohen zusätzlichen Kürzung des Einspeisetarifs in Deutschland – europäische Hersteller können kostenmäßig nur durch Produktion in Billiglohnländern konkurrieren. Wir erwarten später dieses Jahr, oder spätestens in der ersten Jahreshälfte 2011 den Zusammenbruch zahlreicher kleiner Solarunternehmen, aber auch eines oder mehrerer Großunternehmen im Solarsektor.

Wenn es so kommt, hat Deutschland mit Anlaufinvestitionen der Stromkunden von bis zu 45 Milliarden Euro die Solarindustrie aufgebaut, um im entscheidenden Moment des Take-Off die wirtschaftlichen Vorteile der Fertigung an die Chinesen zu verschenken. Modulherstellung in Deutschland wird es dann schon in wenigen Jahren nicht mehr geben.

Es werden dann immer noch Ausrüstungshersteller wie Manz aus Tübingen und Reutlingen oder der Wechselrichterproduzent SMA aus Kassel verbleiben, aber der Großteil der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung wird nach Asien abwandern. Gelohnt hätte sich der finanzielle Kraftakt dann für das Weltklima, aber nur bedingt für den Standort Deutschland.

Die aktuelle Frage sollte also lauten: Wollen wir so altruistisch sein, den Chinesen die Fertigung zu schenken, oder erwarten wir für unsere Milliardenvorleistung auch eine wirtschaftliche Rendite? Und wenn ja, ist die Solarindustrie in Deutschland noch zu retten?

Hierzu muss man verstehen, woher die Kostenvorteile der chinesischen Konkurrenz kommen und warum die Vergütungskürzung die deutschen Modulhersteller so hart trifft.

Chinesische Module unterbieten die deutschen im Preis um 20% und mehr. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: In der Finanzkrise hat der chinesische Staat nahezu unbegrenzten Kredit für den Aufbau modernster Produktionsanlagen mit entsprechenden Kostenvorteilen gewährt. Natürlich ist Arbeitskraft in China billiger. Und ironischerweise gilt das auch für den aus Kohlekraftwerken gelieferten Strom für die energieintensive Herstellung der Module. Im Ergebnis können die Chinesen nun unter Verzicht auf Gewinne so lange zu den reduzierten Einspeistarifen liefern, bis die deutschen Hersteller durch ihre Verluste vom Markt verschwunden sind.

Wer die Chancen der deutschen Modulhersteller erhalten will, muss Ihnen noch für einige Jahre Unterstützung gewähren. Deshalb darf die Sonnenstromvergütung nicht so schnell absinken, dass Module deutscher Hersteller nur noch mit Verlust installiert werden können. So absurd es klingt, die Hersteller können auch die EEG-Umlage nicht mehr tragen, und sollten davon als energieintensive Betriebe befreit werden – die chinesische Konkurrenz zahlt sie ja auch nicht. Investitionen in Forschung und Entwicklung müssen mehr öffentliche Förderung erhalten. Durch Bürgschaften oder Kreditlinien könnte der Staat so wie der chinesische den notwendigen Ramp-up modernster Produktionsanlagen ermöglichen.

Diese Maßnahmen können der Solarindustrie einen längeren Atem verschaffen, vermutlich reichen sie aber nicht aus. Deshalb sollten wir weiter gehen, auch wenn das den Vorwurf des Protektionismus mit sich bringt: Während Deutschland mit den Geldern der Stromkunden die Hälfte des Weltmarkts für Photovoltaik schafft, werden nur 5% der Anlagen weltweit in China installiert. Chinas Industrie könnte also ohne unser EEG nicht existieren. Was spricht dagegen, den Chinesen abzuverlangen, einen Heimatmarkt für Photovoltaikanlagen zu schaffen, indem man nur den Anteil an Einfuhren in Europa zulässt, den China auch am Weltinstallationsmarkt hat? Schließlich könnten wir die Importe aus China morgen auch auf Null bringen, wenn wir die Einspeisevergütung streichen.

Frankreich oder die USA hätten solche Maßnahmen schon längst durchgesetzt, wenn sie die Weltmarktführerschaft einer vergleichbaren Schlüsselbranche gegen unfaire Konkurrenz verteidigen müssten.

Selbstverständlich kann man auch zu dem Schluss kommen, dass Massengüterproduktion, und das wird die Photovoltaik bald sein, in einem Hochlohnland wie Deutschland nicht möglich ist. Dann ist jeder weitere Euro für den Aufbau der Modulindustrie eine Fehlinvestition und wir sollten die Preise so rasch drücken wie es eben geht. Die Debatte über diese strategische Weichenstellung wird in Deutschland aber gar nicht geführt. Die Warnungen der deutschen Hersteller tut man als Standardgeheul einer Wirtschaftslobby ab. Die Industrie wird ignoriert und geht ungewollt verloren. Es ist eine besondere Ironie, dass eine angeblich wirtschaftsfreundliche Partei wie die FDP vom Furor beseelt, Subventionen für grüne Prestigeobjekte zu streichen, auf diese Weise Arbeitsplätze,

Wertschöpfung und Milliardeninvestitionen vernichtet. Noch sind einige Monaten Zeit sich dessen bewusst zu werden und das Sterben der deutschen Solarindustrie zu verhindern.

Die Kürzung der Förderung für Sonnenstrom ist beschlossen. Minus 25% in einem halben Jahr. Wer nur auf die Anlagenpreise schaut, kann dagegen nicht viel einwenden. Die Module sind mittlerweile so günstig, dass mit Photovoltaikanlagen fast unverschämte zweistellige Renditen ohne jedes Risiko erzielt werden. Und trotz dieser Kürzung wird auch in den nächsten Jahren in Deutschland mehr Photovoltaikleistung installiert als in jedem anderen Land der Welt.

Wer so argumentiert, blickt aber nur auf Dächer und Felder, nicht in die Fabriken. Die Förderung der Photovoltaik durch die weltweit höchste Einspeisevergütung des Erneuerbare Energien Gesetzes hatte nämlich immer zwei Ziele: Klimaschutz und Marktführerschaft.

Das erste Ziel hat Deutschland fast im Alleingang erreicht. Mehr als die Hälfte aller Solaranlagen der Welt stehen in Deutschland, finanziert mit Zahlungsverpflichtungen der deutschen Stromkunden. Die Industrie hat riesige Fortschritte in der Technik, der Produktion und den Kosten gemacht. Bis zur Mitte des Jahrzehnts wird Sonnenstrom aus eigener Ernte in sonnenreichen Gegenden etwa der USA billiger als der Bezug aus dem

Stromnetz sein. Spätestens dann wird die Photovoltaik zu einer der wichtigsten Klimaschutzindustrien und Wachstumsbranchen weltweit aufsteigen.

Deshalb ist es so bitter, dass die im letzten Jahrzehnt aufgebaute Marktführerschaft, das war das zweite Ziel, bereits wieder verloren ist und die Politik der Bundesregierung nun den Todesstoß gegen die deutschen Modulhersteller führt. Die Landesbank Baden-Württemberg beschreibt dies in einer soeben erschienenen Analyse schonungslos: „Ostasiatischer Wettbewerb drückt europäische Unternehmen an die Wand: Mit deutlich niedrigeren Produktionskosten gelingt es ostasiatischen Herstellern, massive Marktanteile dazu zu gewinnen. Unterstützt werden sie dabei von der hohen zusätzlichen Kürzung des Einspeisetarifs in Deutschland – europäische Hersteller können kostenmäßig nur durch Produktion in Billiglohnländern konkurrieren. Wir erwarten später dieses Jahr, oder spätestens in der ersten Jahreshälfte 2011 den Zusammenbruch zahlreicher kleiner Solarunternehmen, aber auch eines oder mehrerer Großunternehmen im Solarsektor.“

Wenn es so kommt, hat Deutschland mit Anlaufinvestitionen der Stromkunden von bis zu 45 Milliarden Euro die Solarindustrie aufgebaut, um im entscheidenden Moment des Take-Off die wirtschaftlichen Vorteile der Fertigung an die Chinesen zu verschenken. Modulherstellung in Deutschland wird es dann schon in wenigen Jahren nicht mehr geben.

Es werden dann immer noch Ausrüstungshersteller wie Manz aus Tübingen und Reutlingen oder der Wechselrichterproduzent SMA aus Kassel verbleiben, aber der Großteil der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung wird nach Asien abwandern. Gelohnt hätte sich der finanzielle Kraftakt dann für das Weltklima, aber nur bedingt für den Standort Deutschland.

Die aktuelle Frage sollte also lauten: Wollen wir so altruistisch sein, den Chinesen die Fertigung zu schenken, oder erwarten wir für unsere Milliardenvorleistung auch eine wirtschaftliche Rendite? Und wenn ja, ist die Solarindustrie in Deutschland noch zu retten?

Hierzu muss man verstehen, woher die Kostenvorteile der chinesischen Konkurrenz kommen und warum die Vergütungskürzung die deutschen Modulhersteller so hart trifft.

Chinesische Module unterbieten die deutschen im Preis um 20% und mehr. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: In der Finanzkrise hat der chinesische Staat nahezu unbegrenzten Kredit für den Aufbau modernster Produktionsanlagen mit entsprechenden Kostenvorteilen gewährt. Natürlich ist Arbeitskraft in China billiger. Und ironischerweise gilt das auch für den aus Kohlekraftwerken gelieferten Strom für die energieintensive Herstellung der Module. Im Ergebnis können die Chinesen nun unter Verzicht auf Gewinne so lange zu den reduzierten Einspeistarifen liefern, bis die deutschen Hersteller durch ihre Verluste vom Markt verschwunden sind.

Wer die Chancen der deutschen Modulhersteller erhalten will, muss Ihnen noch für einige Jahre Unterstützung gewähren. Deshalb darf die Sonnenstromvergütung nicht so schnell absinken, dass Module deutscher Hersteller nur noch mit Verlust installiert werden können. So absurd es klingt, die Hersteller können auch die EEG-Umlage nicht mehr tragen, und sollten davon als energieintensive Betriebe befreit werden – die chinesische Konkurrenz zahlt sie ja auch nicht. Investitionen in Forschung und Entwicklung müssen mehr öffentliche Förderung erhalten. Durch Bürgschaften oder Kreditlinien könnte der Staat so wie der chinesische den notwendigen Ramp-up modernster Produktionsanlagen ermöglichen.

Diese Maßnahmen können der Solarindustrie einen längeren Atem verschaffen, vermutlich reichen sie aber nicht aus. Deshalb sollten wir weiter gehen, auch wenn das den Vorwurf des Protektionismus mit sich bringt: Während Deutschland mit den Geldern der Stromkunden die Hälfte des Weltmarkts für Photovoltaik schafft, werden nur 5% der Anlagen weltweit in China installiert. Chinas Industrie könnte also ohne unser EEG nicht existieren. Was spricht dagegen, den Chinesen abzuverlangen, einen Heimatmarkt für Photovoltaikanlagen zu schaffen, indem man nur den Anteil an Einfuhren in Europa zulässt, den China auch am Weltinstallationsmarkt hat? Schließlich könnten wir die Importe aus China morgen auch auf Null bringen, wenn wir die Einspeisevergütung streichen.

Frankreich oder die USA hätten solche Maßnahmen schon längst durchgesetzt, wenn sie die Weltmarktführerschaft einer vergleichbaren Schlüsselbranche gegen unfaire Konkurrenz verteidigen müssten.

Selbstverständlich kann man auch zu dem Schluss kommen, dass Massengüterproduktion, und das wird die Photovoltaik bald sein, in einem Hochlohnland wie Deutschland nicht möglich ist. Dann ist jeder weitere Euro für den Aufbau der Modulindustrie eine Fehlinvestition und wir sollten die Preise so rasch drücken wie es eben geht. Die Debatte über diese strategische Weichenstellung wird in Deutschland aber gar nicht geführt. Die Warnungen der deutschen Hersteller tut man als Standardgeheul einer Wirtschaftslobby ab. Die Industrie wird ignoriert und geht ungewollt verloren. Es ist eine besondere Ironie, dass eine angeblich wirtschaftsfreundliche Partei wie die FDP vom Furor beseelt, Subventionen für grüne Prestigeobjekte zu streichen, auf diese Weise Arbeitsplätze,

Wertschöpfung und Milliardeninvestitionen vernichtet. Noch sind einige Monaten Zeit sich dessen bewusst zu werden und das Sterben der deutschen Solarindustrie zu verhindern.