Sebastian Christ: "Das Knurren der Panzer im Frühling"

Sebastian Christ: „Das Knurren der Panzer im Frühling“

Der Journalist Sebastian Christ war in Afghanistan. Nicht nur einmal, sondern mehrmals mehrere Wochen. Was er mitgebracht hat, das nennt der Verlag Pattloch in der Unterzeile einen Kriegsbericht aus Afghanistan. Aber das trifft es nur zum Teil. Denn Sebastian Christ bringt uns weit mehr mit, als nur einen Bericht. In „Das Knurren der Panzer im Frühling“ gibt er uns einen Einblick in das Land und das Leben dort. Er bringt uns die Menschen näher. Ganz nebenbei zeigt er, warum der Krieg in Afghanistan auch für uns in Deutschland ein Thema ist, und warum es den Krieg dort nicht gibt, sondern viele Kriege.

Immer wieder ist er in der hessischen Provinz, in der Burgwaldkaserne, in der auch der Krieg angekommen ist, am Laufe der Eder oder im Berliner Regierungsviertel. Die Szenen die er beschreibt, sei es in Deutschland oder in Afghanistan, sind teilweise bizarr, wie etwa die Beschreibung eines Fußballspiels, oder bewegend, wie bei dem Besuch im Kabuler Zoo. Am Ende zeichnen sie ein realitätsnahes Bild. Vom Leben, und vom Krieg.

„So ein ehrlicher Krieg wäre manchmal schön“, sagt ein Soldat in dem Buch. Am Ende bleibt der Leser bewegt, aber auch ratlos zurück. Wissen die Deutschen Parlamentarier, über was sie im Bundestag entscheiden, wenn es um Afghanistan geht?

Die Menschen, die Sebastian Christ getroffen hat, wissen es. Wenn binnen Minuten aus einem Dorf ein Kriegsschauplatz wird, wenn Soldaten ihren Vornamen opfern und zu den Klängen von „Blüh im Glanze dieses Glückes. Blühe, deutsches Vaterland“, der Blick durch das Tal der Kokcha streift. Dann ist dies alles Afghanistan.

Sebastian Christ versteht es, solche Augenblicke einzufangen, die ein trauriges, ein realistisches Bild der Situation in diesem Land zeichnen. Wie es ein hoher deutscher Offizier sagte: „Das wird unser Vietnam.“ Jeder, der etwas über die Situation in Afghanistan erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen. So gut erzählt, so ergreifend findet man es sonst nur sehr selten. Nur eine Frage bleibt offen: Wie geht es weiter in Afghanistan? Doch wer kann das schon beantworten.