Wohltuend unaufgeregt analysiert der Journalist Jan Philipp Burgard in seinem Buch „Von Obama siegen lernen oder ‚Yes, We Gähn!‘?“den Wahlkampf in den USA um dann zu überprüfen, welche Elemente im Bundestagswahlkampf 2009 bereits übernommen worden sind. Das Buch soll auf 240 Seiten der erste ganzheitliche Vergleich zwischen dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 und dem Bundestagswahlkampf 2009 sein, so der Anspruch des Autors. Diesen löst er auch ein, lässt er doch immer wieder historische Aspekte, neben den aktuellen Beobachtungen einfließen, und arbeitet sich an Themen wie Inszenierung der Personen, Strategien, Themen- und Agendasetting, Medienarbeit, Fundraising und natürlich der Onlinekommunikation ab. Das alles nimmt nach dem Entwurf des notwendigen theoretischen Bezugsrahmen richtig fahrt auf: Die Darstellung ist für ein Buch mit wissenschaftlichen Anspruch außerordentlich unterhaltsam geschrieben. Eine Rolle dabei spielt sicherlich auch der Hintergrund des Autors. Er erlebte den US-Wahlkampf als Producer im ARD-Studio in Washington und war so quasi live dabei. Und auch in Deutschland führte er Interviews mit Politikern und Wahlkampfstrategen.

Lehren für den deutschen Wahlkampf

Und am Ende steht natürlich die Frage: Was können Deutsche Politiker von dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf lernen? Es sind keine Onlinetools, sondern Inhalte, die zählen. „Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht nicht nur bei der Form der Parteiprogramme, sondern auch bei ihrer Substanz“, so Burgard. Man brauche Kandidaten, die mitreißen können, und, ganz entscheidend, es braucht eine Strategie. Denn: „Wie der Vergleich zwischen der Obama-Kampagne und dem Bundestagswahlkampf 2009 deutlich gemacht hat, ist hierzulande das Potential für eine fortschrittliche strategische Kultur weder auf der Seite der Politik nocht auf der Seite der Politikberatung ausgeschöpft.“ Und nebenbei räumt der Autor auch mit der These auf, dass deutsche Wahlkämpfe einer zunehmenden Amerikanisierung unterliegen. Ob diese Erkentnisse schon in Deutschen Parteizentralen angekommen sind, werden schon bald die Kampagnen für die Bundestagswahl 2013 zeigen. Aber nicht nur Wahlkampfmanagern sei dieses Buch empfohlen, sondern  allen, die an Politischer Kommunikation interessiert sind.

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