Der Wahlkampf in den USA: Amerika stellt die Weichen

Viele Deutsche blicken mit Sorgen auf den amerikanischen Wahlkampf und auf Donald Trump. Doch wie sieht dieser Blick aus, wenn man die Deutsche Brille abnimmt? Darüber diskutierten Journalisten, ein Diplomat und ein Wahlkampfberater in Bonn.

Michael R. Keller, US-Generalkonsul in Düsseldorf, betont: „Donald Trump repräsentiert den Frust über die zwei Mainstream-Parteien.“ Er sei eine Alternative, die es bislang nicht gab: Ein Nicht-Politiker, der nicht aus Washington komme. „Donald Trump äußert sich auf eine Art und Weise, die bei uns ehr unbekannt ist.“
Und er spreche die Themen an, die viele Menschen in den USA bewegen: Illegale Immigration und die Verschuldung etwa. Und auch wenn die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt niedrig sei, mache Regionen haben den Aufschwung nicht gespürt.

„Ich sehe die Chance das Amerika geschlossener aus diesem Wahlkampf rauskommt“, glaubt der Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Die Kampagnen von Obama hatten viele Hoffnungen in sich, die nicht erfüllbar waren. „Die Obama-Bilanz ist die Grundlage für die Polarisierung.“ Und diese enorme Spaltung sei die Grundlage für den Hass-Wahlkampf, analysiert er.

Wahlkampf der Wut

So auch der Kampagnen- und Strategieberater Julius van der Laar: „Amerika ist gespalten.“ Diese Politik der Spaltung funktioniere bei Republikanern. Hillary Clinton habe keine Botschaft. „Wer es nicht schafft, eine klare Botschaft zu formulieren, hat im Wahlkampf nichts verloren.“ Dies sei der Angriffspunkt, wo Trump punkten könne. Von Hope und Change zu Wut und Angst sei es ein langer Weg, so der Wahlkämpfer.

Van de Laar sprach auch über die Kampagnen-Trends 2016: „Ein Score wird schon Monate vor der Wahl für jeden Amerikaner ausgerechnet.“ Dieser helfe den Wahlkämpfern, Mittel effektiv einzusetzen. Durch den Score können man die Wähler identifizieren, die es lohnt, anzusprechen. Es gehe im Wahlkampf nicht im Facebook oder Snapchat, sondern darum, ob man Wähler vorab identifizieren könnte. „Es sind immer die Themen, die mobilisieren.“

„Der Wahlkampf wird teilweise hämisch kommentiert in den deutschen Medien“, so der Journalist Jan Philipp Burgard. Doch wie hat sich das Verhältnis der beiden Länder verändert? „Amerika ist vielleicht nicht das Vorbild was es früher war“, so Diplomat Keller. „Amerika bleibt ein Land von Extremen.“

Extreme Äußerungen gehören in den USA dazu

Sich extrem zu äußern sei nichts neues in der amerikanischen Politik, so der US-Generalkonsul. Doch dabei könne es Glaubwürdigkeitsprobleme geben, glaub Wahlkämpfer van de Laar, etwa wenn Kandidaten nach dem Vorwahlkampf ihre Positionen ändern.

„Amerikanische Wahlen sind nicht vorhersehbar“, so der USA-Kenner Steingart. Aber er gehe davon aus, dass Trump am Ende nicht mehr Glaubwürdig sein könne. „Trump ist so weit an die Ränder gegangen, das ich glaube das er nicht mehr mobilisieren könne als momentan“, findet auch der ehemalige USA-Korrespondent Tom Buhrow. Hillary  Clinton habe ein anderes Problem: sie wirke als Person nicht nahbar und authentisch.

„Kandidaten brauchen nicht mehr über Massenmedien kommunizieren“, beobachtet Buhrow. Damit hänge zusammen, dass der Journalismus in Amerika aus interessengesteuertem Meinungsjournalismus entstanden sei. Danach gab es eine Phase der Neutralität. So haben sich Verleger eine höhere Verbreitung und mehr Profit erhofft. Die Journalisten hätten sich im Austausch für sichere Jobs daran gehalten. Diese Entwicklung gehe jetzt wieder Richtung Meinungsjournalismus.

Was wäre, wenn Trump Präsident wäre?

Auch wenn niemand glauben wollte, das Trump Präsident wird. Zum Gedankenspiel gezwungen: „Die Auswirkungen würde man schnell sehen“, so Generalkonsul Keller. „Vielleicht ist seine Zurechnungsfähigkeit tatsächlich beschränkt, wenn dem so wäre, würde ich ihn mehr fürchten als den IS“, argumentiert Gabor Steinhart. Für die Welt könne dies ein Realexperiment sein, welches man sich nicht wünschen könne.
„Da er das, was er gesagt hat, wegen dem Effekt gesagt hat, kann man nur schwer Schlüssen ziehen was er tun würde“, so WDR-Intendant Tom Buhrow. Aber er betonte: „Ein Präsident Trump wäre nicht wie der Wahlkämpfer Trump.“ Er sei clever genug um dann einem Pragmatismus zu folgen.

Amerika stellt die Weichen

Das Buch zum Wahlkampf „Amerika stellt die Weichen: Die Supermacht im Umbruch“ von Bodo Hombach und Jan Philipp Burgard ist im Lingen Verlag erschienen und für 19,99 Euro im Handel erhältlich.