Helge Strickstrack sitzt allein in einer der vorderen Reihen des Landesverbandes Niedersachsen. Er blickt nach vorne. Er ist ganz bei sich, oder ganz beim Redner. Zumindest ist er im Gegensatz zu vielen anderen Delegierten nicht dort, wo es Feuerzeuge, Smoothies, Pizza und wahlweise auch Massagen gratis gibt.

Helge Strickstrack. Foto: Julia Kneuse.

Helge Strickstrack. Foto: Julia Kneuse.

Strickstrack ist nicht das erste Mal beim Parteitag, auch nicht das zweite Mal, nein. Der 91-Jährige ist der Dauerbrenner der CDU, der älteste Delegierte, der auch schon beim allerersten Parteitag dabei war. Vor 67 Jahren ist der Mann aus Isernhagen in Niedersachsen der Jungen Union beigetreten. Auslöser war sein Unmut über Äußerungen des damaligen SPD-Oberbürgermeisters von Salzgitter, Fritz Hartmann. Der bezeichnete Soldaten auf einer Versammlung der SPD als Kriegsverbrecher. Strickstrack, damals Kampfflieger, war empört. Er meldete sich kritisch zu Wort. Nach der Versammlung kam ein junger Mann auf ihn zu, erinnert sich Strickstrack, und lud ihn für den nächsten Tag nach Braunschweig ein. „Ziel war die Gründung einer christdemokratischen Partei. Unter anderen Umständen wäre ich damals vielleicht auch der SPD beigetreten“, sagt Strickstrack heute.

Nachdem er als Soldat aus dem Krieg zurückkam, hatte er zunächst keine berufliche Perspektive. Politik interessierte ihn, weil er sein eigenes Leben selbst mitgestalten wollte. Politiker zu sein, das war jedoch nie sein Berufsziel. Strickstrack ging in die Textilbranche und leitete schließlich sein eigenes Unternehmen.

Helge Strickstrack schüttelt den Kopf, wenn er darüber nachdenkt, wie junge Menschen heute ihr Berufsleben angehen – besonders, wenn sie Politiker werden wollen. „Die jungen Leute gehen direkt nach dem Studium oder der Ausbildung in den Bundestag und die Länderparlamente.“, sagt Strickstrack. „Mich stört nicht die Lebenserfahrung, die ihnen fehlt. Die wird ihnen das Leben schon selbst beibringen.“

Was ihn stört, ist die finanzielle Abhängigkeit vom Mandat. „Es ist schwer, die eigene Meinung zu vertreten, wenn der finanzielle Druck, das Mandat zu behalten, auf einem lastet. Das macht beeinflussbar“, findet das Urgestein der CDU Niedersachsen. Deswegen wünsche er der Partei auch mehr Quereinsteiger in die Politik. Und wenn Strickstrack das so sagt, wirkt er nicht wie jemand, der den Wandel der CDU blockiert oder den jungen Christdemokraten den politischen Einfluss verwehren will, sondern wie jemand, den das Leben selbst gelehrt hat.