Die Landtagsdebatten Streams und der hessische Sonderweg

Einige Landesparlamente haben auf ihren Internetseiten bereits ganze Mediatheken zusammengestellt. Dort kann man sich einzelne Reden oder ganze Debatten als Videos anschauen und nach Rednern oder Stichworten suchen. Fast alle bieten einen Livestream an, also die Möglichkeit, sich eine Übertragung der Landtagsdebatten über einen Livestream anzuschauen. Nur in Brandenburg gibt es diesen Service bislang noch nicht, aber spätestens mit dem anstehenden Umzug des Parlaments soll sich das ändern.

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In der Regel sind in den Plenarsälen Kameras fest installiert, darüber organisiert die Landtagsverwaltung die Übertragung. Fr das Streaming selbst gibt es in einigen Parlamenten einen Dienstleister. Die andere Variante ist die Übertragung durch einen Partner, wie einen Öffentlich Rechtlicher Sender. Diese Variante gib es etwa im Saarland oder in Niedersachsen. In Bremen übernahm ein Lokalsender die Übertragung, mittlerweile findet sich dort nur noch ein Angebot über den Anbieter Livestream.com. Nur in Hessen ging man einen anderen Weg: Die Übertragung wurde hier an den Privatsender FFH vergeben, im Jahr 2015 wurde diese dann eingestellt.

Privatisierte Debatten?

Der Ältestenrat des Hessischen Landtags hat am 13.11.2012 entschieden, einen Livestream mit der Radio/Tele FFH GmbH Co. Betriebs-KG umzusetzen, erläutert Heike Dederer, Pressesprecherin des Landtags. Als weiter Anbieter sei noch der Hessische Rundfunk in der Auswahl gewesen. Ob es eine Ausschreibung gab lie die Sprecherin offen. So bekam der Privatsender die Aufgabe, die Landtagsdebatten zu übertragen.

Der Sender FFH übernehme die technische Organisation und platziere den Video Player auf einer gesonderten Internet-Seite. Diese gesonderte Internetseite befand sich bis 2015 unter www.ffh.de/landtaghessentv inklusive Senderlogo, der Navigation des Senders und Onlinewerbung.
Der Hessische Landtag verlinkt auf diese Seite, so Heike Dederer. Das Signal stelle der Landtag zur Verfügung. Die Einrichtungskosten teilen sich FFH und der Landtag hälftig. Die Kosten der DSL-Verbindung trägt der Landtag, nicht jedoch die Streamingkosten. Über die genauen Kosten will die Landtagsverwaltung nichts sagen.

Wird im Umfeld der Übertragung Werbung eingebunden werden?Auf der Landingpage bei FFH erscheint beim Aufruf der Schriftzug des Providers, nicht jedoch im Bereich des bewegten Bildes. Während der Übertragung im Vollbildmodus werden keine Logos angezeigt, betont die Pressesprecherin. Letzteres ist logisch. Doch bleibt das Fenster bei der normalen Größe, bleibt die Werbung erhalten.
Und es bleiben viele Fragen: Warum bindet der Landtag, wenn er das Signal schon selbst zur Verfügung stellt, die Übertragung nicht auf seiner eigenen Seite ein? Warum geht man in Hessen diesen Umweg über die Seite des Privatsenders?

Hessen bleibt eine Ausnahme

Das es auch anders geht sieht man in Schleswig-Hollstein: Seit Februar gibt es dort neu installierte Digitalkameras mit einer bessere Bildauflösung. Unter der eigenen Domain www.ParlaTV.de kann das Angebot abgerufen werden, auch speziell für mobile Endgerte aufbereitet. Rund 100.000 Euro investierte die Verwaltung. Dabei war es den Verantwortlichen wichtig, dies selbst umzusetzen, um so auch die Rechte an dem Material zu haben. Eine Mediathek soll so aufgebaut und das Material auch den Abgeordneten fr die eigenen Internetseiten zur Verfügung gestellt werden.

Damit löst man ein Problem: Wird die Übertragung durch Sender übernommen liegen die Rechte an dem Material in der Regel nicht beim Landtag. Einen weitreichenderen Weg geht man in Bremen: Die Sitzungen Landtag werden von uns seit Juni 2011 auf dem Videoportal Vimeo eingestellt. Dort können die Sitzungen dann gesehen, oder nach Anmeldung bei Vimeo heruntergeladen werden, so Christine Huchzermeier von der Bremischen Bürgerschaft. Dort sind die Videos nicht nur runterladbar, sondern lassen sich auch direkt in Internetseiten einbinden und so weiter nutzen. So gehren sie allen, in Hessen gehren sie noch nicht mal dem eigenen Parlament.

Nachtrag
Die Piraten im hessischen Landtag sehen die Probleme bei der bisherigen Lösung ebenfalls und bieten unterwww.landtagstv.de ebenfalls einen Stream an, inklusive Videoarchiv, Möglichkeit zum einbinden, eigentlich alles, was dis FFH-Umsetzung nicht bietet.

Nachtrag (August 2015) Der Hessische Landtag hat sich jetzt aus der Übertragung komplett verabschiedet und bietet nur noch ein YouTube-Archiv an.

Eine Übersicht aller Landesparlamente

Landtag

Stream

Mediathek

Seit wann?

Wie umgesetzt? 

MVZum StreamMediathek (Allerdings nur mit Auszügen und anderen Videos)2001Kameras im Plenarsaal, Blick aufs Pult, das Bild wird gestresamt, Verwaltung des Landtags setzt das Streamin mit vorhandener Infrastruktur um.
NDSüber NDRkeine2011Kosten übernimmt der NDR.
NRWZum StreamMediathek2001Organisation ber die Landtagsverwaltung.
RPZum StreamEine Sitzungswoche zurck2012Streaming über einen Dienstleister, der Rest in der Verwaltung.
Saarlandüber SRk.A.Kooperation mit SR, auch Übertragung aus den Ausschüssen wird diskutiert.
SachsenZum StreamMediathek2007über die Landtagsverwaltung.
Sachsen-Ah.Zum StreamMediathek (Wahlperiodenweise)2009über die Landtagsverwaltung.
SHZum StreamIm Aufbau2010über die Landtagsverwaltung, auch in HD.100.000 Euro wurden investiert, Mediathek im Aufbau.
TühringenZum StreamMediathek ist nicht gewollt2007über die Landtagsverwaltung in Kooperation mit der Uni Illemenau.
BayernZum StreamMediathek2005Bild wird im Landtag produziert und an einen Inhouse-Dienstleiter geliefert, das Steaming ist ausgelagert.
BerlinZum StreamKein eigenes, RBB-Archiv seit vier Jahren1999RBB übertrgt zusätzlich, Streaming über eigene Technik.
BBKooperation mit RBB in Bezug auf Berichterstattung, nur Intranet-Livestream, Internetlivestream kommt mit Umzug.
Bremenüber Radio Weser.TVBei Vimeo seit Juni 2011, dann bei Livestream.com2004Über Radio Weser TV.
HamburgZum Streamk.A.k.A.
BWZum StreamMediathek2003Über die Landtagsverwaltungmit Streaming-Dienstleister.
HessenZum Stream2012Über den Privatsender FFH, Signal kommt vom Landtag.