„Ich vermisse bei einem großen Schwulst an Frageformen im Fernsehen das, was unter umständen Kommunikation ausmacht“, so Roger Willemsen. Für ihn ist das etwa, dass der Interviewer an gewissen Punkten nicht mehr weiter weiß, das er Fragen suchen müsse.

All das kommt in heutigen Sendungen nicht mehr vor. Denn alle Fragen und Antworten seien vor der Sendung besprochen, in der Sendung werde dann das Besprochenes abgespult. So verschwinde eine Form der Recherche zur Person.

„Jemand der sich in einer Fernsehsendung überzeugen lässt, erfüllt seine Funktion nicht“, so der Publizist Willemsen. Denn daraus folge Ratlosigkeit.

Journalisten dürften auch Meinungen vortragen, dies sei sogar notwendig, so Willemsen. „Zur Entpolitisierung des Fernsehens gehört, dass bestimmte Nachrichten über das Boulevard vertrieben werden.“ Der Boulevard sei heute am Aufbau von Personen viel intimer beteiligt, als das politische Fernsehen. In Nachrichten, für Willemsen der Hochaltar im Fernsehen, seien Kriege lediglich noch eine „Aromanote“.

Inhalte rücken quer durch alle Formate in den Hintergrund. Viel mehr sei die Frage bei Fernsehmachern: Sind Sie für Inhalte oder dagegen? Einspruch bei Inhalten, so Willemsen, gibt es nur noch bei bestimmten Formen wie Radikalismus.

Problem der Massenzustimmung

„Vor Bauer such Schwein sitzen 95 Prozent Menschen, die aus Konträrfaszination das Fernsehen anschalten“, findet Willemsen. Der Zuschauer ist ein unsympathischer, herablassender Habestolz, der seine eigene Einsamkeit mit schlechten Fernsehsendungen bekämpft.

Das Fernsehen ist, so der Literaturwissenschaftler, ein Medium der Unterforderung. Warum gibt es keine Quotenfreie Räume? Grade im öffentlich rechtlichen Fernsehen sollte es dafür Platz geben. Ein Tabu ist im Fernsehen ausschließlich das, was gezeigt werden darf, sagt Willemsen. Doch: „Wo ist die Instanz, die verhindert, dass das Fernsehen diese Form von Massenzustimmung an allen Punkten generiert?“

 

Wie lachen Sie, Herr Willemsen?