Es war ja nicht viel Geld. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen deswegen. Das Geld habe ich mir schließlich hart erarbeitet. Ich habe es bereits in Deutschland versteuert. Und ich sehe nicht ein, warum ich von den schmalen Zinserträgen noch mal so viel abführen muss. Trotzdem hatten meine Frau und ich nicht geplant, das Geld ins Ausland zu bringen. Es war mehr oder weniger Zufall. Und es wurde uns von der Bank sehr einfach gemacht.

Der Weg ins Ausland

Ich interessiere mich für das Thema Geldanlage. Ich lese viel dazu, höre mir manchmal Vorträge an. Deshalb ging ich auch damals auf eine Anlegermesse. Dort stellten verschiedene Finanzfirmen ihre Produkte vor. Dabei war auch eine Bank aus Österreich. Ich sprach mit einem sympathischen Bankmitarbeiter aus Deutschland. Er sagte, sie hätten viele Kunden aus Deutschland. Ich nahm mir damals die Unterlagen mit und schaute mir sie erst viel später wieder an. Man warb mit dem starken Bankgeheimnis, dem stabilen Standort und dem Komfort. Das alles erschien mir sehr attraktiv.

Natürlich war es seltsam, das Geld in ein anderes Land zu bringen. Aber man erklärte mir genau, was ich dabei zu beachten habe. Wie viel Bargeld man mitnehmen darf, mit welchem Verkehrsmittel man am besten kommt. Die Bank machte mir Vorschläge für die Anlage. Die Post kam immer in neutralen Briefumschlägen. Irgendwann hatte ich für mich die Entscheidung getroffen. Ich wollte mein Geld auswärts anlegen, ich wollte mein Geld in die Alpenrepublik bringen.

Schwarzgeld. Foto: Julia Kneuse.

Schwarzgeld. Foto: Julia Kneuse.

Ich hob das Geld bei meiner deutschen Bank ab. Meine Frau und ich machten Urlaub in Österreich. Das Geld hatten wir dabei, im Wanderrucksack verstaut. Es war ein seltsames Gefühl, so viel Geld mehrere hundert Kilometer durch die Gegend zu fahren und dann irgendwo in Österreich abzugeben. Die Bank sah nicht anders aus als bei uns auch. Das Geld wurde gezählt, dann war es weg, ein paar Unterschriften noch. Eine Nummer mit vielen Zahlen blieb. Kein Name, kein Risiko, viel Diskretion. Das dachte ich damals. Dann passierte lange nichts. Das Geld war bei der Bank, es mehrte sich durch die Zinsen.

Es wurde unruhig

Dann kamen irgendwann die Steuer-CDs. Meine Frau wurde unruhig, ich auch. Ich rief bei der Bank an. Dort beruhigte man mich. Aber die Angst blieb. Wie war das mit dem Risiko? Wie bekomme ich mein Geld zurück? Eigentlich hatte ich nur noch diesen Wunsch. Ich wollte mein Geld irgendwie wieder bei mir haben. Das Problem waren nicht nur Kündigungsfristen und die Entfernung. Es war jetzt auch Schwarzgeld.

Hätte ich das Geld einfach ausgegeben, dachte ich oft. Dann hätte ich wenigstens etwas davon gehabt. So hatte ich nur den Ärger. War ich jetzt ein Steuersünder, wie es in den Medien immer heißt? Bei Schwarzgeld denkt man immer an schwarze Kassen und Millionenbeträge. So war es bei uns nicht. Keine Millionen, aber das Problem war: Was machen wir jetzt mit dem Geld? Ich habe nichts gemacht. Am liebsten würde ich bei der Bank anrufen und sagen: Behaltet das blöde Geld. Das mache ich natürlich nicht. Aber was ich stattdessen machen soll, das weiß ich immer noch nicht. Ob ich es nochmal so machen würde? Wahrscheinlich nicht. Ob es mir Leid tut? Wegen der Steuern nicht, aber wegen des ganzen Stresses.

*Name geändert.