Rüdiger Grube
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Rüdiger Grube: Gelassen nach dem Stresstest

„Ich möchte nicht eine zusätzliche Emotionalisierung in die Öffentlichkeit bringen.“ Mit Blick auf das Ergebnis des Stresstests wäre es nicht fair, wenn man dem Ergebnis vorweg greifen würde. „Ich wäre nicht so entspannt hier wenn das Ergebnis anders ausgegangen wäre“, räumte er dann aber doch ein und verspricht: „Den Stresstest stellen wir ins Internet.“

Rüdiger Grube
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Dr. Rüdiger Grube, Bahn-Vorstand und damit Bauherr von Stuttgart 21, hat turbulente Zeiten hinter sich. Er wolle nicht als „Betonkopf“ gelten betont er. Aber er brauche als Vorsitzender der Bahn Planungssicherheit. Wenn eine Planfeststellung erteil sei, könne man es nicht zurücknehmen. „Sonst fliegen mir alle Baustellen und Ausschreibungen in Deutschland um die Ohren“, so Grube. Und dann erzählt er gerne eine Anekdote: „Ich war vor einiger Zeit in Katar. Der Emir von Katar fragte mich, was Stuttgart21 bedeute. Er hätte sein Geld in Porsche investiert und wollte wissen, ob Stuttgart 21 Planungsunsicherheit bedeute. Ich konnte ihn dann beruhigen. Aber auf der Welt finden viele solcher Gespräche statt, und nicht immer ist jemand dabei der dies  richtig stellen kann.“

Rüdiger Grube gibt sich gerne als einfacher Mensch. Er habe nie ein Gymnasium besucht, sagt er, nicht ganz ohne Stolz. Aber er sei ein Nutznießer des Deutschen Bildungssystems. Heute ist er Top-Manager, und wenn er von „seiner“ Bahn spricht, dann spart er nicht mit Superlativen.

Wir sind der größte Ausbilder in Deutschland und brauchen in den nächsten Zehn Jahren 88.000 Mitarbeiter.
Bei der Deutschen Bundesbahn gab es 60 Milliarden DM Schulden. „Heute haben wir selbst im Krisenjahr 2009 schwarze Zahlen geschrieben.“

Grube, 1951 in Hamburg geboren, machte zunächst eine Ausbildung im Metallflugzeugbau  und studierte dann er an der Fachhochschule Hamburg Fahrzeugbau und Flugzeugtechnik. Er arbeitet bei Airbus und EADS, bevor er zur Deutschen Bahn kam. „Was ich hier vorgefunden habe, habe ich so in keiner Industrie gefunden“, sagt er, wenn er an die Zustände bei der Bahn denkt. Erst Flugzeuge, dann Autos. Doch bei der Bahn musste Grube umdenken. Er führte einen Technikvorstand ein, begann mit Sanierungsplänen für das Streckennetz. Und er musste erkennen: In diesem Geschäft hölt steter Tropfen den Stein.

2013 will die Bahn in weniger als 4 Stunden von Frankfurt nach London fahren.
Aber bislang werde man nicht durch den Tunnel gelassen, so ein Beispiel für die Probleme mit denen er zu kämpfen habe. Die To-Do-Liste von Grube ist lang, man brauche robuster Züge, möchte den Anteil der Kernenergie auf 14 Prozent senken, insgesamt sollen 35 Prozent des Stroms den die Bahn verbraucht aus erneuerbaren Energien kommen: „Die Energiewende funktioniere nur mit einer Verkehrswende“, meint Grube.

Eine klare Absage gibt es für den Börsengang: „Ich halte einen Börsengang für völlig falsch zur Zeit.“ Dieser dürfe kein Selbstzweck sein. Statt dessen müsse die Bahn an ihrem Image arbeiten. „Mir tut es in der Seele weh“, so Grube wenn er den Einsatz der Mitarbeiter sehe.