„Wir als Grüne sind die letzten, die das Erbe Helmut Kohls verwalten“, ließ Jürgen Trittin im Wahlkampf wissen. Von der neuen Bürgerlichkeit der Grünen war oft die Rede. Doch trotz Bürgerlichkeit und gutem Wahlergebnis: Eine Volkspartei sind sie noch lange nicht. Auch wenn die Grünen in Süddeutschland stark realpolitisch geprägt sind, ein Blick auf die Mitgliederstruktur zeigt: Die einzigen Arbeiter in ihren Reihen sind Sozialarbeiter.

Die SPD scheint im Rausch des Regierungswechsels wie unter Drogen. Sie haben das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, und dürfen sich trotzdem als Sieger fühlen. Als Juniorpartner der Grünen müssten sie in einer Analyse jedoch feststellen, dass ihnen jegliches Kontrastprogramm fehlt. In Baden-Württemberg gibt es zwar viele Arbeiter, doch Sie definieren sich nicht so. Mit den klassischen sozialdemokratischen Themen tuen sie sich als schwer. Das haben sie mit der FDP gemeinsam. Die liberalen ist es nicht gelungen, sich in den vergangenen Jahren als ordnungspolitisches Gewissen in der Regierung zu positionieren. Damit waren erst die Glaubwürdigkeit, und dann die Wähler weg.

Und die CDU? Nach 58 Jahren in der Regierung wurden die Konservativen nun abgelöst. Und das trotz hoher Zufriedenheitswerte im Land. Der Wirtschaft im Ländle geht es gut, das Schulsystem schneidet ebenfalls nicht schlecht ab und bei vielen weiteren Kennzahlen liegt das Bundesland in Deutschland vorne. So mancher CDU-Politiker reibt sich verwundert die Augen. Was ist los, im Musterländle?

Schon seit Jahren verschließt die CDU die Augen vor der Entwicklung: In vielen Gebieten, in denen die CDU traditionell über 50 Prozent-Ergebnisse erzielte, nimmt die Zustimmung bei Wahlen seit Jahren ab. Dies zeigt, dass es sich bei dem Ergebnis der Landtagswahl keineswegs um ein vorrübergehendes Phänomen handelt.

Mit seinem Politikstil hat Ministerpräsident Stefan Mappus den Pfad der Konsenspolitik verlassen. Doch diese hatte in Baden-Württemberg eine lange Tradition. Zurück blieben irritierte Stammwähler. Und die Erkenntnis, das Grün anscheinend doch ganz gut nach Baden-Württemberg passt.