Parteipolitiker reden mit der programmatischen Betonung von Toleranz am Wahlvolk vorbei

Die Parlamentarier schätzen den Wert Toleranz viel wichtiger ein als ihre Wähler. Am deutlichsten sind die Unterschiede bei der Linken. Hier stufen ganze 85 Prozent der Linken-Abgeordneten Toleranz als bedeutsamen Wert ein. Unter den Wählern der Linken teilt nur knapp die Hälfte diese Auffassung. Auch bei SPD, FDP und Grünen besteht noch eine Differenz von jeweils über 20 Prozentpunkten bei diesem Wert.

 „Die Politiker haben sich nicht nur in ihrer Sprache vom Bürger entfernt, sie denken auch ganz anders als die Frau oder der Mann auf der Straße“, kommentiert Professor Joachim Klewes von der Change Centre Stiftung das Ergebnis.

Denken in Stereotypen

In der Wertschätzung der Familie sind die zweitgrößten und interessantesten Differenzen zwischen Parteipolitikern und deren Wählern zu sehen – das über alle Parteien hinweg, nur mit ganz anderen Vorzeichen: Bei den CDU/CSU-Parlamentariern wird der Wert Familie um 18 Prozentpunkte höher eingeschätzt, als bei den CDU-Wählern. Das heißt:  nur 45 Prozent der CDU/CSU – Wähler geben dem Wert Familie eine besonders hohe Präferenz. Bei den CDU/CSU-Abgeordneten hingegen halten 63 Prozent diesen Wert für sehr wichtig. „Abgeordneten denken eher in politischen Stereotypen. Sie meinen womöglich, den Wert Familie als Konservative deutlich sichtbar vertreten zu müssen,“ kommentiert Christina Rauh von der Change Centre Stiftung, „Ihre Wähler sind aber beim Stellenwert der Familie deutlich weniger konservativ als angenommen.“

Bei der Linken und den Grünen ist die Situation genau umgekehrt: Hier sind es die Wähler, die einen deutlich höheren Wert auf Familie legen, als ihre Interessenvertreter. Bei den Grünen besteht eine Wertedifferenz von knapp 20 Prozentpunkten, bei der Linken noch mehr (23 Prozent). Insgesamt aber finden sich Bürger, die Familie als einen der wichtigsten Werte empfinden, immer noch am besten bei der CDU/CSU wieder.

Hintergrund der Wertestudie 2011