Lisa Federle. Foto: privat.

Lisa Federle. Foto: privat.

 

Genau 20.764 Stimmen bekam sie bei der letzten Kommunalwahl. Mit diesem Ergebnis wurde Lisa Federle Stimmenkönigin der CDU und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Tübinger Gemeinderat und Kreisrätin. Damals noch ohne Parteibuch. „Wenn ich einen Mann kennenlerne, heirate ich den ja auch nicht gleich“, sagte Sie damals. Mittlerweile ist Sie mit der CDU verheiratet. Und nicht nur das: Sie wird im kommenden März für den Landtag kandidieren.

Doch der Weg dahin war nicht leicht für die 49-jährige. Denn ihr Lebenslauf entspricht nicht dem, was man üblicherweise in der CDU findet. Lisa Federle war erst elf Jahre alt, als ihr Vater starb. Sie blieb sitzen und brach das Gymnasium als schwangere 17-Jährige in der neunten Klasse ab. Kurz nachdem ihr Kind auf der Welt war, meldete sich Federle bei der Volkshochschule an, um ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Nebenbei arbeitet sie, unter anderem zehn Jahre als Wirtin im „Boulanger“, einer Tübinger Altstadtkneipe. 1981 kam ihr zweites Kind zur Welt. Und der Wunsch Ärztin zu werden blieb. Nach dem Abitur begann sie ihr Studium, 1998 beendet sie es mit der Promotion – mit 37 Jahren und als vierfache Mutter.

Seit 2004 ist sie leitende Notärztin in Tübingen, daneben Kreisverbandsvorsitzende des Roten Kreuzes. Und manchmal ist sie als Rennärztin auf dem Hockenheimring anzutreffen. An Beschäftigung mangelt es ihr nicht, und trotzdem will sie jetzt in den Landtag: „Mitten aus dem Leben, mitten in die Politik“, mit diesem Slogan trat sie an. Das soziale liege ihr am Herzen, sie könne auf die Menschen zu gehen. Doch was einige CDU-Mitglieder stört: Federle trat mit 19 in die SPD ein und dann später wegen Andrea Ypsilanti wieder aus. Vor der Kommunalwahl kamen auch andere Parteien auf sie zu. Warum sie sich für die CDU entschied? „Die CDU ist dabei, eine moderne urbane Partei zu werden“, sagt sie.

Ihr Gegenkandidat im Wahlkreis Tübingen, Horst Schuh, brachte ein typisches CDU-Profil mit: Männlich, konservativ, Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Tübingen und Ortsvorsteher in Baisingen. Es selbst bezeichnete sich als das Original. Im ersten Wahlgang wurde er nominiert, doch weil die Wahl von einigen Mitgliedern angefochten worden war, wurde sie wiederholt. Dieses mal wählten die CDU-Mitglieder Federle zur Kandidatin, die Schuh ein „angefreundetes Plagiat“ nannte. Doch für viele in der CDU ist sie nicht nur original CDU, sondern auch ein Stück Richtung moderne Partei. Auch Altministerpräsident Erwin Teufel habe sie ermuntert ihre Kandidatur aufrechtzuerhalten, erzählt sie nach ihrer Wahl.

Warum wollten Sie Notärztin werden?

„Es gibt Momente wo man seinen Beruf nicht nur liebt. Aber im Großen und Ganzen ist es ein Traumberuf. Eine normale Praxis wäre mir zu langweilig.“

Warum sind sie auch als Rennärztin im Einsatz?

„Ist eine ganz andere Welt. Und es macht Spaß in eine andere Welt Einblick zu gewinnen. Die Unfälle dort sehen immer sehr heftig aus, sind aber in der Regel nicht so schlimm wie sie aussehen.“