Von Johannes Rau lernen

Am 27. Januar verstarb der Altbundespräsident Johannes Rau im Alter von 75 Jahren in Berlin. Er war Oberbürgermeister von Wuppertal, Wissenschaftsminister und Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und schließlich Bundespräsident.
Mit seinen überraschenden Gesten sorgte der Predigersohn aus Wuppertal für Verblüffung und Faszination.

Raus Humor und Gesten

Johannes Rau hatte ein Lieblingsthema: Geschichten über Menschen war sein Gesprächsstoff. Er verstand es, Anekdoten und Witze zu erzählen. Durch sein Auftreten verschaffte er sich das Image des leutseligen Menschenfischers.

Namen als Schlüssel

In seiner Zeit als Ministerpräsident besuchte die niederländische Königin Aachen. Rau holte den verdutzten Oppositionsführer Heinrich Meufels aus der Reihe der Honoratioren heraus und stellte ihn der Königin vor. Natürlich nicht ohne aus dem Stand die Namen der zwölf Kinder Meufels zu nennen.
Rau verstand es, Namen zu verinnerlichen. Ähnlich verhielt es sich mit Geburtstagen. So brachte er seinem Gegenüber stets Wertschätzung entgegen.

“Nun hör doch mal auf, Junge!”

Johannes Rau gelang es, durch gezielte Gesten mit Symbolcharakter auch schwieriege Situationen zu meistern. So traf er 1980 in einem Fernseh-Rededuell auf den CDU Oppositionsführer Prof. Biedenkopf. Dieser hielt ihm die Versagen der Regierung vor. Mit nur einem Satz gelang es Rau aus dieser ausweglosen Situation auszubrechen. “Nun hör doch mal auf, Junge!”. Biedenkopf war verblüfft und das Publikum begeistert. Er hatte die Herzen der Menschen gewonnen.

Rau hatte die Passage vorher mit seinem Berater Bodo Hombach einstudiert. Viele seiner spontan wirkenden Reden waren genau kalkuliert und erprobt. Rau setzte sie so natürlich ein, das er damit stets Erfolg hatte.

Über den Autor

Gregor Landwehr Jahrgang 1983, ist gelernter Bankkaufmann und studierte anschließend Rhetorik, Kunstgeschichte, Politik und Philosophie in Tübingen. Seit 2005 arbeitet er als freier Journalist. Er hospitierte beim Staatsanzeiger in Stuttgart, der Nachrichtenagentur DDP in Berlin und Potsdam, beim NDR in Osnabrück und im ZDF Hauptstadtstudio.

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