Der Lösewicht

Werner Winkler ist Kalligraf, Autor und Berater. Fast wäre er auch noch Politiker geworden. Doch seine Zeit in der Freien Union war nur kurz. Dabei wollte der Fellbacher, genau wie bei seiner Arbeit, nach Lösungen suchen. Stattdessen brauchte er eine seiner anderen beruflichen Kompetenzen: Die Fähigkeit Konflikte beizulegen. Doch im Streit mit der Parteivorsitzenden Gabriele Pauli trat er aus der Partei aus – wegen dem Demokratiedefizit in der Freien Union. „Frau Pauli hat ihr bayrisches Modell der Demokratie: Wählt mich und dann lasst mich entscheiden“, so Winkler.

Dabei hatte es erst so gut ausgesehen. Der Fellbacher war drei Monate Schnuppermitglied in die SPD. „Verschwendete Zeit“, wie Winkler heute findet, da dort nicht nach Lösungen gesucht wurde. Dann fand er das Onlineforum der Freien Wähler und beteiligte sich dort.  „Da sind zumindest andere Ansätze, nicht so ideologisch.“ Das Pragmatische habe ihn gereizt. Was er an Texten von Gabriele Pauli fand, habe ihm gefallen. So kam der Kontakt zustande, und so schnell wie er dann in den Bundesvorstand der neugegründeten Freien Union gewählt wurde, so schnell war es dann auch wieder zu Ende.
Dabei ist es die Frage, wie lange es Winkler überhaupt in der Politik ausgehalten hätte. Denn er sagt über sich selber, er lassen sich gerne von spannenden Themen ablenken. Dann bleibe er so lange dran, bis die Sache für ihn Rund sei. Dann werde es auch wieder langweilig. Und so hat Winkler, der schon seit 20 Jahren freiberuflich tätig ist, immer wieder neues ausprobiert.  Damit hat er schon früh angefangen. Während seiner Ausbildung als Werbetechniker lernte er das Handwerk der Kalligrafie. Der Bezug zu Papier und Tinte hatte im Hause Winkler Tradition, sein Vater arbeitete als Kartograph. Doch nach der Ausbildung wird er Unternehmer: Mit 21 machte sich mit einer Papier- und Buchhandlung selbständig. Nach fünf Jahren verkauft er das Geschäft in Fellach-Schmiden. „Das waren meine 5 Jahre Unternehmerkarriere“, sagt er. Dann kommt ein interessantes Angebot: „Ich hätte mit 25 Kaligraph des Bundespräsidenten werden können“. Doch den Schwaben zieht es nicht nach Bonn. Nicht nur das der Job schlecht bezahlt war, es wäre eine Einbahnstraße gewesen. Stattdessen arbeitet er in der Papierindustrie, berät bis heute eine Druckerei. Doch auch das reicht ihm nicht. Über seine ehrenamtliche Arbeit mir Suizidgefährdeten befasst er sich mit einem neuen Themengebiet, dazu gehören Mineralstoffe und ihrer Wirkung auf  die Psyche, Lösungsorientierte Psychologie und Psychografie. Er schreibt 10 Bücher, „Die kleine Gesundheitsinventur“ verkauft sich 10.000 mal. Fragt man Winkler, was er am liebsten macht, sagt er:  „Ich möchte weder nur Berater, Autor oder Kalligraph sein.“ Und in der Politik? Auch da werde er sicher noch etwas machen…

Was ist Ihre Lehre aus Ausflug in Politik?
„Demokratie ist wertvoll. Mann muss drauf aufpassen, dass sie nicht durch Mutwilligkeit kaputt gemacht wird. Ich habe gemerkt, wie viel Frust an der Politik da ist, aber auch wie viel Lust.“

Wie kann man Lösungen finden?

„Es gibt eine große Lehre: Nicht nur schauen, wo ist ein Problem, sondern wo gibt es Ausnahmen. Wenn zum Beispiel 95 Prozent der Kommunen Verluste machen, dann sollte man schauen, was die restlichen 5 Prozent richtig machen. Und dann sollte man versuchen dies zu übertragen. Das ist der Schlüssel für Problemlösungen.“

www.wernerwinkler.de