Sarah Wagenknecht. Foto: Landwehr

Ziel ohne Weg

„Sarah Wagenknecht nimmt viele ordoliberale Themen auf“, bescheinigt der Freiburger Wirtschaftsprofessor der Linken-Politikerin. Doch der Unterschied liege in der Rezeptur. „Verstaatlichung ist ein Lösungsweg, den die Ordoliberalen mit Horror betrachtet hätten.“ Denn die Sphären von Wirtschaft und Staat müsse man trennen.

Sarah Wagenknecht hält dagegen. „Ich habe die Ordoliberalen so verstanden, dass der Staat Wirtschaftsmacht verhindern müsse.“ Es gebe viele Märkte, die von vier Unternehmen dominiert werden. „In Europa haben wir durch den Binnenmarkt diese Macht immer stärker gefördert.“ Sie möchte innerhalb der EU mehr Regulierung, stattdessen habe sich Brüssel immer durch Deregulierung einen Namen gemacht. „Der Staat hat viel mehr Handlungsmöglichkeiten als er sich zurzeit eingesteht.“ Durch die Deregulierung habe man sich selbst entmachtet.

Der Staat soll regulieren

sarah-wagenknecht
Sarah Wagenknecht. Foto: Landwehr.

Im kreativen Sozialismus von Sarah Wagenknecht sollen alle Bereiche der Grundversorgung in die öffentliche Hand überführt werden. Außerdem sollen die Großunternehmen denen Übergeben werden, die im Unternehmen arbeiten. Diese Eigentumsumwandlung solle durch eine jährliche Vermögenssteuer von 5 Prozent an eine Stiftung der Belegschaft stattfinden. Erbschaften über eine Million Euro solle es nicht mehr geben.

„Frau Wagenknecht überflutet den Leser mit einer endlosen Liste an Mängeln des Kapitalismus.“, so Vanberg. Es fehlen die Argumente, warum der kreativen Sozialismus besser sei. Die Freiheit tauche dagegen nur im Titel auf. „Was sie mit Freiheit meint, lässt sie im unklaren.“

Das wollte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Partei „Die Linke“ nicht auf sich sitzen lassen. „Grade junge Leute wissen nicht, wie es ihnen in einem Jahr geht.“ Das sei ein Angriff auf die Freiheit. „Freiheit heißt, auch Freizeit zu haben.“ Die, die einen Job haben, ständen unter einem wahnsinnigen Druck, auch das sei ein Angriff auf die Freiheit.

Auch Haftung in Unternehmen habe etwas mit Freiheit zu tun. „Wer den Schaden hat, müsse auch über Strategien mitentscheiden dürfen.“ Diese Abhängigkeitssituation sei ebenfalls ein Angriff auf Freiheit.

Den naheliegenden Einwand, warum man besseres vom kreativen Sozialismus erwarten solle als vom Sozialismus, entgegent die Politikerin: „Es geht um etwas ganz neues.“ Und: „Wer Grundrisse für eine neue Wirtschaftsordnung skizzieren will, muss zunächst die Ziel definieren.“