Die CDU hat die SPD übertroffen. Zumindest was die eigene Inszenierung bei einem Parteitag angeht. Bislang galt der SPD Parteitag von 1998 als das non plus ultra in Punkto Selbstdarstellung.
Mit Ihrer Merkle-Show legte die CDU nach. Eintausend Delegierte und 10.000 geladene Anhänger feiern in Dortmund einen Angie-Tag in Orange. Nach Showeinlagen des Europapark sorgten Queen-Hits für die richtige Stimmung. Mit „We are the champions!“ fühlte man sich ein paar Minuten schon als Wahlsieger.

Anglea Merkel. Foto: Landwehr.

Anglea Merkel. Foto: Landwehr.

Die CDU Anhänger wurden schon anderthalb Stunden vor Beginn des 150-Minuten-Parteitages in die richtige Stimmung gebracht. Laola-Wellen wurden geübt und Plakate geschwenkt. Alles damit nach der Lasershow zum Einzug von Merkel und Stoiber die Stimmung im Saal kochte. Der Einzug wurde zum Triumphzug und die Kanzlerkandidatin fand sich in einer neuen Rolle die ihr, obwohl noch ungewohnt, trotzdem gefiel.
Nicht weniger Begeistert begrüßten das Publikum Helmut Kohl der neben Merkel Platz nahm.

Und dann wurde es sachlich: Nach der Wahl des Tagungspräsidenten standen die offizielle Bestätigung Volker Kauders als Generalsekretär, Grußworte der CDU-Ministerpräsidenten, sowie Reden von Kauder, Edmund Stoiber und natürlich Angela „Angie“ Merkel auf dem Programm.

Das Programm sah vor, dass die CDU Ministerpräsidenten Ihr Land nach dem Slogan „Wo die CDU regiert geht es den Menschen besser“ präsentierten.
Das Volker Kauder von den Delegierten mit großer Mehrheit im Amt bestätigt wurde, war fast eine Nebensache. Die CDUler wollten Merkel hören die nach Edmund Stoiber sprach.

Die CDU lieferte eine perfekte Inszenierung und ging damit einen weiteren Schritt Richtung amerikanischen Wahlkampf. Das am Ende kein Konfetti von der Decke viel war einer der wenigen Unterschiede.
Die Presse sah es durchaus kritisch. Christoph Schwennicke kommentiert den CDU-Parteitag in der Süddeutschen Zeitung so: „So viel Klatschvieh neben den Delegierten ist noch nie zu einem Parteitag gekarrt worden. (…) Angela Merkel, das einst authentische Mädchen aus Templin, wurde am Sonntag zur Laura Croft [sic!] der deutschen Politik, zur Kunstfigur, die in die Wirklichkeit zurückkehrt.“ Laut taz ist das Erscheinungsbild der CDU-Parteitage dagegen gewöhnungsbedürftig, weil sie „inzwischen aussehen wie Fußballstadien bei Länderspielen der holländischen Nationalmannschaft: tausende T-Shirts, tausende ‚Angie‘-Pappschilder, alles in der neuen Parteifarbe Orange“. Die FAZ kommentiert die Treuebekundungen der CDU-Ministerpräsidenten für Merkel in Dortmund als „pflichtgemäß“ und „nicht überschwänglich“. Der föderale Grundzug der CDU werde nach einem Wahlsieg womöglich noch deutlicher werden.

Was sonst noch war….

Der wohl schönste Versprecher kam vom Moderator des Abends. Die im Kompetenzteam für Umwelt und Verbraucherschutz zuständige Gerda Hasselfeldt wurde mit Gerda Hasselhoff angekündigt. Da wurden bei manch einem Erinnerungen an einen amerikanischen Sänger wach.

Einige Journalisten fürchteten, dass Edmund Stoiber seine Rede vor der Kanzlerkandidatin ausnutzen würde um so lange zu reden das es für den Tagesschau Beitrag zu spät werde. Eine Befürchtung die sich nicht bewahrheitet.